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ein schlafaffe auf reisen - teil I

dubile in südamerika


Er saß in der Raucherlounge des Hotels und sog genüsslich an seiner Zigarre. Als ich die Lounge betrat, sah er auf und bedeutete mir mit einer beifälligen Geste, mich zu ihm zu gesellen. Ich setzte mich ihm gegenüber in einen Sessel und hörte zu.

 

Dubile hatte all seinen Mut zusammengenommen und war mit seinen beiden durchgeknallten Freunden auf eine viermonatige Weltreise aufgebrochen. Nie im Leben hätte er geglaubt, dass dieses Abenteuer so anstrengend, nervenaufreibend, atemberaubend, übermäßig beglückend und einfach unvergesslich werden würde.

Die wenigsten Affen hätten diese Reise auf sich genommen. Schon die Vorstellung, 120 Tage am Stück nicht im eigenen kuscheligen Bett zu schlafen, hätte die meisten sofort abwinken lassen. Doch wenn man als zartes Äffchen all seinen Mut zusammennimmt und bereit ist, die eigene Komfortzone zu erweitern, wird man auf einer solchen Reise reichlich dafür belohnt. Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt – und so hatte auch diese Reise einige Unwägbarkeiten in petto. Doch die haben das Abenteuer im Nachhinein für unser Äffchen nur umso bereichernder gemacht. Sein Wahnsinnstrip begann in Südamerika und führte ihn über Neuseeland und Australien bis nach Südafrika. Und bevor Dubile sich bald schon wieder auf die Reise machen wird, möchte er euch hier noch einige der Missgeschicke, Tipps und Erinnerungen mit auf den Weg geben.

 

Gefährliches Rio – oder warum man im Dunkeln niemals, aber auch wirklich niemals an den Strand gehen sollte.

Ich hatte noch nie eine solch wunderbare Stadt erlebt. Die besondere Schönheit Rio de Janeiros erklärt sich aus der sagenhaften Vielfalt an urbanen Landschaften, die sich vor einer dramatischen Naturkulisse erheben. Malerische grüne Berge wechseln sich mit spektakulären Sandstränden und dichten, üppigen Wäldern ab. Diese ungewöhnliche Mischung aus Natur und Zivilisation ist jedoch nur einer von vielen Gründen, warum sich eine Reise nach Rio de Janeiro lohnt. Weitere Gründe sind das Armenviertel Santa Marta mit seinen vielen bunten Häusern. Die wunderschönen Strände von Ipanema und der berühmte Zuckerhut. Viele neue Freunde und die häufigen Regenfälle, die jedoch einen Heidenspaß machen. Zumindest mir erging es so in Rio. Vor der Fahrt hatten mich meine Affenfreunde vor den vielen Gefahren gewarnt, die in Rio angeblich an jeder Straßenecke lauern. Sie warnten mich vor den armen Menschen in den Favelas, die bis an die Zähne bewaffnet seien und nichts Anderes im Sinn hätten, als wehrlose Touristen auszurauben. Was sie mir dabei vorenthielten, waren die fabelhaften Samba-Clubs, in denen das wilde Leben tobt und glücklich strahlende Frauen und Männer jeder Altersgruppe und Hautfarbe bis zur Erschöpfung miteinander tanzen. Sie haben mir auch nicht erzählt, wie überwältigend es ist, einmal an einer riesigen Sambaparade teilzunehmen, mit der singenden und tanzenden Menge zu verschmelzen und eins zu werden mit der brasilianischen Kultur. Die Menschen in Rio lieben es einfach, zu feiern und das Leben in vollen Zügen zu genießen. Mein obligatorischer Cappuccino zum Beispiel wurde mir immer mit einem Löffel Nutella serviert. In den Barbecue-Restaurants bekommt man eine schier grenzenlose Auswahl an fantastischen Fleischsorten. Und was gibt es Schöneres, als nach einem erfrischenden Caipirinha oder einem Gläschen Cachaça, ein Stück von dem fluffigen Schokoladenkuchen mit flüssigem Kern zu genießen, den man in Rio an jeder Ecke bekommt? Ich muss zugeben: So viel Zucker zu konsumieren, war sicherlich nicht ungefährlich.

 

Apropos gefährlich: Eine Situation gab es doch, die mir noch heute einen eiskalten Schauer über den Rücken jagt.

Nach ein paar Drinks kamen meine beschwipsten Freunde und ich auf die glorreiche Idee, noch einmal an den Strand zu gehen und einen letzten Blick auf das tobende Meer zu werfen. Es war nach Sonnenuntergang. Der Strand von Copacabana war noch hell beleuchtet. Ein paar Leute spielten Beach-Volleyball. Es war unser letzter Abend in Rio, und bis dahin war uns noch nichts Schlimmes passiert. Als wir runter zum Meer liefen, sahen wir links von uns ein junges Pärchen, das Fotos machte. Mit Blitzgerät. Nachts. Was keine gute Idee war, wie sich später herausstellte. Die junge Frau hatte eine große Handtasche dabei. Ihr Freund trug Bierbauch. Plötzlich tauchten rechts von uns wie aus dem nichts drei Männer mit nackten Oberkörpern auf. Sie kamen direkt auf uns zu. Mein Herz fing unter meiner haarigen Brust heftig zu pochen an. Ich scharrte mit den Füßen im Sand und plapperte pausenlos auf meine Freunde ein. Ich dachte die ganze Zeit nur an die Wertgegenstände, die ich in meinem Rucksack bei mir trug. Auch wenn wir so schlau waren, unsere Reisepässe und unsere Kamera immer im Hotel zu lassen (ein Grund, warum wir von Rio keine tausend Schnappschüsse haben). Die drei dubiosen Gestalten hatten es jedoch gar nicht auf uns abgesehen. Sie liefen geradewegs auf das Pärchen zu und verwickelten die beiden in ein „Gespräch“. Plötzlich sah ich, wie zwei von ihnen den jungen Mann festhielten und der dritte sich die Handtasche der Frau packte und heftig daran zog. Die Frau ließ sich fallen, umklammerte ihre Handtasche und fing an zu schreien. Ich geriet in Panik und hielt mir abwechselnd Augen, Mund und Ohren zu. Um uns herum war niemand mehr zu sehen. Wir waren allein mit dem Pärchen und den drei Männern, und ich spürte, wie mir der Schweiß über die Stirn lief. Ich sah meine Freunde an. „Was sollen wir tun?“, fragte ich. „Wir rennen“, antworteten sie, ebenfalls in Panik. Also nahmen wir die Beine in die Hand, ohne uns noch einmal umzusehen. Im tiefen Sand kam ich kaum voran. Immer wieder sank ich ein und fiel der Länge nach hin. Hinter mir hörte ich die junge Frau schreien wie am Spieß. „Diese Mistkerle bringen sie um“, schoss es mir durch den Kopf. Schnell stand ich wieder auf und rannte um mein Leben. Nach weniger als einer Minute kamen wir an einer der vollen Strandbars an.

Einige Gäste sahen unsere kreideweißen Gesichter und fragten, was passiert sei. Völlig außer Atem erzählten wir ihnen, was wir gesehen hatten. Ein paar Männer eilten sofort zum Strand. Der Barkeeper, der die ganze Zeit über keine Miene verzogen hatte, sagte nur: „Das kommt davon, wenn man nachts noch an den Strand geht“. Seit diesem Erlebnis nahm ich mir fest vor, meine Freunde in jeder Situation zu verteidigen.

 

Killerbakterien in Bolivien

Das nächste Kapitel unserer Reise beginnt in der trockensten Wüste der Welt – der Atacama. Eines Tages fanden meine abenteuerlustigen Freunde und ich uns in dem zauberhaften, aber auch schonungslos touristischen Oasendorf San Pedro de Atacama wieder. Wir verbrachten einige Tage in der Wüste, um uns – eingepfercht in einem Kleinbus mit einem Dutzend anderer Touristen aus Südamerika – die Salzlagunen und Nationalparks der Wüste anzusehen. Anschließend buchten wir eine Jeep-Tour durch Bolivien, die uns bis zur größten Salzpfanne und zugleich dem größten Spiegel der Welt führen sollte. Wir reisten also praktisch von einem Superlativ zum nächsten. Und offenbar war genau das auch das Ziel von all den anderen Touristen, die sich in der Zwischenzeit am Valle de la Lune – am Tal des Mondes – sattgesehen hatten. Die angebotenen Touren der zig Reiseanbieter waren alle gleich – langweilig für meinen Geschmack. Also fragte ich einen guten Freund aus Österreich, der in La Paz ein eigenes Reisebüro unterhält, um Rat. Sein unkonventioneller Tipp lautete: „Fahrt über Argentinien, um euch erst einmal an das Höhenklima zu gewöhnen, und macht unterwegs noch einen Abstecher in einem kleinen, niedlichen Dorf nahe der Grenze zu Bolivien.“

 

Gesagt, getan: Wir stiegen in einen recht komfortablen Bus (ich bekam meinen eigenen Sitzplatz, eine warme Mahlzeit und sogar eine kuschelige Decke), fuhren durch das atemberaubende Andengebirge und erreichten schließlich das wunderschöne, indianisch geprägte Dorf Purmamarca, wo die Berge mehr Farben haben, als selbst ein kluges Äffchen wie ich überhaupt aufzählen kann. Und wo wir sogar ein paar Touristen aus Ungarn trafen, die die rumänische Stadt kannten, aus der die Mutter eines meiner beiden Freunde stammt. Wir nutzen den Tag für eine ausgiebige Wanderung und lernten viele neue Leute kennen. Abends lauschten wir den rhythmischen Liedern einer argentinischen Band.

Am nächsten Tag fuhren wir weiter nach Tupiza, der zweiten bolivischen Stadt hinter der Grenze. Im Grenzort zahlten wir für unser Visum und legten die letzten Meter von Argentinien nach Bolivien mit unserem Gepäck auf dem Rücken zu Fuß zurück. In Bolivien dürstete es mich nach einem schönen, starken Espresso, um meinem schlappen Körper wieder etwas Energie zuzuführen. Keine Chance! Im gesamten Ort war es einfacher, sich mit Kokablättern einzudecken, als einen guten Filterkaffee aufzutreiben. Schließlich gaben wir die Suche auf und stiegen in den Zug nach Tupiza – voller Vorfreude auf unsere Jeep-Tour, die am nächsten Tag beginnen sollte.

 

Am nächsten Morgen sprang ich früh aus dem Bett und gönnte meinem Fell eine ausgiebige Dusche. Wir wussten, dass wir vier Tage keine Gelegenheit zum Duschen haben würden, und so genoss ich jeden Wassertropfen. Und selbst in Tupiza war das Duschwasser knapp. Um 8 Uhr trafen wir uns mit unserem Fahrer, unserem Koch und den beiden jungen Franzosen, die das Abenteuer der nächsten Tage gemeinsam mit uns bestreiten würden. Nachdem alle Rucksäcke auf dem Dach verstaut waren und man sich geeinigt hatte, wer wo sitzt, brachen wir voller Abenteuerlust auf. Auch wenn die Reise alles andere als eine Spazierfahrt war, wurden wir reichlich belohnt: Mehr als 1.000 Kilometer legten wir durch atemberaubende Landschaften zurück – von öden Wüsten bis zu immergrünem Hochland, an schneebedeckten Vulkanen, bunten Lagunen, Zugfriedhöfen und brodelnden Geysiren vorbei. Wir jagten hinter Lamas her, sahen Vikunjas und machten uns über die Flamingos lustig. Und das alles auf unbefestigten Straßen und bei ständig wechselndem Wetter auf einer Höhe von 4.000 bis 5.000 Metern über dem Meeresspiegel. Unsere Unterkünfte waren sehr einfach, und es gab keine Heizung, kein warmes Wasser und kaum Strom. Vor dem Zubettgehen schlüpfte ich in sieben Lagen Kleidung und kuschelte mich zwischen meine beiden Mitabenteurer.

 

Schon am ersten Tag hatte ich eine leichte Magenverstimmung, und mit der Zeit wurde es immer schlimmer. Obwohl unser Koch fantastische Bolognese, köstliche Suppen und sogar schmackhafte Schnitzel für uns zauberte, aß ich die ganze Zeit nur Reis, Kartoffeln und Brot mit Dulche de Leche. Der Koch mochte mich, und wir verstanden uns wortlos. Manchmal guckte er mich traurig an und fragte mit enttäuschter Stimme: „Por qué Dubile? Por qué no comer la sopa?“ Zu guter Letzt setzte ich meine ganzen Hoffnungen auf Imodium akut – leider vergeblich. Als wir am letzten Tag der Tour die sagenhafte Salar de Uyuni erreichten, konnte ich meinen verstimmten Magen für eine Weile vergessen. Doch als ich wir schließlich in La Paz ankamen, hatte ich Fieber und musste mich in einer Privatklinik behandeln lassen. Stundenlang saß ich in der Notaufnahme und wartete auf die Untersuchungsergebnisse. Dann erklärten mir die Schwestern, dass mein Immunsystem aufgrund der Höhenlage geschwächt sei und ich mich durch verunreinigtes Trinkwasser mit Bakterien infiziert hätte – was mich wunderte, da ich mich nicht erinnern konnte, Wasser aus dem Hahn getrunken oder auch nur meinen Mund damit ausgespült zu haben. Die Schwestern drückten mir zwei Zettel in die Hand: eine lange Liste mit Antibiotika, Tabletten und Tropfen und eine lange Liste mit einem Diätplan, der in erster Linie Reis und Fisch vorsah.

Dank der Bakterien, die ich mir eingefangen hatte, blieben wir länger in La Paz als geplant. So hatten wir noch Zeit für einen ausgiebigen Bummel über den skurrilen Hexenmarkt und eine Fahrt mit der höchsten Seilbahn. Wir konnten in aller Ruhe das Treiben der bolivischen Frauen mit ihren lustigen Hüten beobachten und gingen an einem Abend sogar in ein Folklore-Konzert. Drei Tage hatte ich Zeit, mich in dem wunderschönen Doppelzimmer des Hostels mit seinem urgemütlichen Bett zu erholen. Dann ging die Reise weiter – nach Peru.

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datum 22.07.2016
autor Andra Coros - Journey Hoppers
tags Schlafaffe, JourneyHoppers, Blog, Reisebericht, Weltreise, Freunde

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