Einmal um die Welt

Ein Interview mit Christoph Hoffmann & Bruno Marti

Intern nennt man ihn den „Hotel-­Nomaden“: Für Christoph Hoffmann ist Globetrotting Berufung. Als CEO der 25hours Hotelgruppe entwickelt er neue Projekte für Tagträumer und Nachteulen – und alle, die eine Abwechslung vom Einheitsgrau der Großstädte suchen. Bruno Marti, seines Zeichens Chief Brand Officer, wacht mit Argusaugen über die Marke 25hours – und hat sich den inoffiziellen Titel „The Brand Sheriff“ wahrlich verdient. Was die beiden beeindruckt, wenn sie mal nicht Gastgeber, sondern selbst in der Welt unterwegs sind, haben sie in unserem Fragebogen verraten.

COMPANION: Welche Stadt verführt zum frühen Aufstehen? 
Christoph Hoffmann: Unbedingt New York. Der Jetlag – wenn man frisch angekommen ist – hilft dabei. Es gibt keine Stadt, die so schön aufwacht.
Bruno Marti: In New York streife ich oft schon früh morgens durch die Straßen. Das liegt natürlich vor allem am Jetlag, aber die ungewohnte Ruhe der Großstadt hat auch etwas Mystisches.

Und welche zum Wachbleiben bis ins Morgengrauen?
CH: Ich kenne keine Stadt, die mich bis zum Morgengrauen ermuntert. Irgendwann ist Schluss mit lustig.
BM: Hm, das ist mir schon lange nicht mehr passiert. Werde ich alt?

Wie entdecken Sie eine Stadt am liebsten?
CH: Zunächst mit einem guten Fahrrad. So kann man schnell einen Überblick gewinnen. Dann aber irgendwann per pedes. Und last but not least unbedingt die lokale Tageszeitung samt Espresso oder einem Glas Wein in einem lokalen Hang­out verinnerlichen. Wenn ich die Sprache nicht verstehe, dann schaue ich eben nur die Bilder an. So kann ich die Stadt, ihre Menschen und die Tonalität wahrnehmen.
BM: Auf dem Rad, keine Frage. Zu Hause habe ich drei verschiedene für unterschiedliche Zwecke und Stimmungen. Auf Reisen freue ich mich, wenn das Leihrad einen Gepäckkorb für ungeplante Anschaffungen hat.

Welcher Persönlichkeit würden Sie in der Hotel­-Lobby gern mal über den Weg laufen?
CH: Isadore Sharp, dem famosen Gründer von Four Seasons. Aber nur, wenn er die Zeit mitbrächte, ein wenig aus seinem Leben, seiner Arbeit zu plaudern.
BM: Meinem zukünftigen Ich. Ich hätte da noch ein paar Fragen.

Welche Innovation wünschen Sie sich ganz persönlich für das Reisen der Zukunft?
CH: Einen „Beam Me Up, Scotty“ wie bei Raumschiff Enterprise.
BM: Am meisten ärgere ich mich in vielen Destinationen auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt. Fliegen versucht mondän zu sein, Flughäfen sind Meisterwerke der Ingenieurskunst und dann steigt man in eine uralte S­Bahn oder ein stinkendes Taxi. Da müsste man doch mal ein passendes, schnelles Verkehrsmittel erfinden.

Wo und wann haben Sie sich zuletzt wie ein Tourist benommen? 
CH: Ich bin bekennender Tourist – überall. Ich finde es albern, dies vertuschen zu wollen und gar so zu tun, als wäre man Einheimischer. Es ist doch schön, wenn sich Einheimische und Besucher in einer Stadt vermischen und eins werden. So fühlt man sich dann in der Welt zu Hause ...
BM: Ich habe in Wien eine Stadtrundfahrt im Doppeldeckerbus gemacht – und dabei tatsächlich noch recht viel gelernt.

Wann fühlen Sie sich in einem Hotel nicht nur als Gast, sondern zu Hause?
CH: Dann, wenn die Hotelmitarbeiter Gastgeber sind und mir das Gefühl vermitteln, dass sie sich über meinen Besuch freuen und mich mit echtem Interesse wahrnehmen. Ein offener Kamin mit einem prasselnden Feuer und eine warmherzige Atmosphäre tun ihr Übriges.
BM: Wenn ich das Gefühl habe, mich frei bewegen zu können, ohne dass ein devoter Mitarbeiter ständig den Weg bereitet. In Wirklichkeit tut man natürlich genau das ... aber unsichtbar eben.

Wann haben Sie – in unserer globalisierten Welt – das letzte Mal etwas wirklich Neues kennengelernt?
CH: In Tel Aviv. Öffentliche, kostenlose Bibliotheken, die sich mitten auf der Straße verteilt befinden.
BM: Wir planen gerade eine Zusammenarbeit mit der Fraunhofer­Gesellschaft, um unsere Innovationskraft noch mehr aufzuladen. Beim Rundgang durch deren Labore in Stuttgart habe ich schon ein paarmal gestaunt. Dort gab es viele smarte Lösungen für alltägliche Probleme: Handys laden sich ohne Kabel auf, Türen öffnen sich ohne Schlüssel. Auf so was freu ich mich.

Wenn es draußen kalt wird: Flucht in den Süden oder endlich Wintersport?
CH: Am liebsten beides. Der Winter in den Bergen ist eine Wonne. Trockene Luft, viel Sonne und eine prachtvolle Natur. Mehr geht nicht. Oder doch? Die warme Sonne auf der anderen Halbkugel, die einem schmeichelt, wenn man aus dem Nieselregen kommt? Am Abend im Freien sitzen – dem Meer lauschen. Ich kann mich nicht entscheiden.
BM: Tendenziell Wintersport, Kälte ist für mich kein Grund zur Flucht. Ehrlicherweise bin ich aber schon froh, wenn ich es ein­, zweimal im Jahr schaffe, auf den Brettern zu stehen.

Wohin wollten Sie schon immer mal reisen, haben es aber bisher noch nicht geschafft?
CH: Es gibt noch so viele Orte, die ich nicht kenne, dass die Liste der Plätze, die ich noch kennenlernen möchte, zu lang wäre. Ganz oben auf der Agenda steht zum Beispiel Argentinien und dort neben Buenos Aires die Anden und vor allem Patagonien.
BM: Japan steht derzeit weit oben auf dem Wunschzettel. Tokio ist wahrscheinlich eine der innovativsten Städte der Welt, technologisch sehr fortschrittlich und kulturell hochspannend. Mal sehen, ob es bald klappt.

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