Die Neugier war schon immer da

Christine Schöner (Empfangsleiterin im 25hours-Hotel Hafencity & Altes Hafenamt ) gewann den Deutschen Hotelnachwuchs-Preis.

Als Christine Schöner im April 2017 den von der Allgemeinen Hotel- und Gastronomiezeitung (AHGZ) und der Hoteldirektorenvereinigung Deutschland (HDV) verliehenen Deutschen Hotelnachwuchs-Preis erhielt, hieß es in der Laudatio, sie stehe „für eine neue Generation von Führungskräften“. Die 30-Jährige arbeitet als Empfangsleiterin im 25hours-Hotel Hafencity & Altes Hafenamt in Hamburg. In ihrem beruflichen Werdegang spielten Neugier, Offenheit und Mobilitätserfahrungen im Ausland eine entscheidende Rolle.  

„Für mich war klar, dass ich nach meinem Abitur in ein Hotel gehe, weil es die einzige Möglichkeit war, meine Neugier und Abenteuerlust sowie mein Interesse an anderen Ländern und Menschen zu verwirklichen“, erzählt Christine Schöner. Ein Wunsch, der viel mit ihrer Familiengeschichte zu tun hat, denn ihre Eltern, die heute eine Konditorei in Bad Godesberg betreiben, waren in der ganzen Welt unterwegs. Sie reisten durch Syrien und Israel, feierten ihre Hochzeit auf Samoa. Weltoffenheit spielte als Wert und Lebenseinstellung eine zentrale Rolle.

Davon haben Christine Schöner und ihre Schwester, die lange in Mexico und Lateinamerika gelebt hat, vieles mitbekommen. „Es ging immer um Begegnung, Kultur und Kommunikation“, erinnert sich Schöner, deren berufliche Laufbahn als Auszubildende im Hilton-Hotel in Bonn begann. Zuvor schon war sie zum ersten Mal mit einer Freundin auf Bali gewesen und hatte sich geschworen: Hier möchte ich einmal leben! – Doch zunächst einmal ging es nach Amsterdam, wo sie im dritten Lehrjahr über das Programm Leonardo da Vinci (heute Erasmus+) sechs Wochen lang berufliche Auslandserfahrung sammeln konnte. Eine tolle Zeit, in der sie eigentlich am Bankett eingesetzt werden sollte, letztlich aber an der Rezeption arbeiten durfte, da die Hilton-Gruppe zur damaligen Zeit ihr elektronisches Buchungssystem umstellte und dies in Bonn bereits realisiert hatte. Mit ihrem Wissensvorsprung war Christine Schöner an der Rezeption am Amsterdamer Standort sehr gefragt.

„Amsterdam war schon eine andere Liga als Bonn“, unterstreicht sie, wobei sie mit ihrem ersten beruflichen Auslandsaufenthalt vor allem dem Ziel näher kam, überall auf der Welt arbeiten zu können. So bewarb sie sich bereits vor dem Abschluss ihrer Ausbildung im Jahr 2009 tatsächlich auf Bali und erhielt umgehend eine Zusage. Zwei Jahre lang blieb sie dort, reiste anschließend durch Australien und arbeitete in einem Hotel in Thailand, bevor es sie nach drei Auslandsjahren zurück nach Deutschland zog.

Geplant hatte sie die Rückkehr zunächst einmal für ein paar Monate, mittlerweile sind fast sechs Jahre daraus geworden, auch weil sie in Hamburg eine berufliche und private Heimat gefunden hat. In ihrer Arbeit als Empfangsleiterin im 25hours-Hotel Hafencity & Altes Hafenamt greift sie gerne und oft auf die Erfahrungen zurück, die sie während der Zeit im Ausland machen durfte. Dazu Christine Schöner: „Ich glaube, ich bin in diesen Jahren erwachsen geworden. Ich habe gelernt, mich in einer anfangs unbekannten Umgebung zurechtzufinden und auch gespürt, wie gut unsere Ausbildung in Deutschland ist und welch vorbildliches System wir diesbezüglich haben.“ Das gelte sowohl für die eigentliche Hotelausbildung als auch für den schulischen Teil, ergänzt sie.

Im Ausland konnte sie ihre Talente und das, was sie in der Ausbildung gelernt hatte, sehr gut einbringen und verfeinern. Sie ist überzeugt, dass ihre Persönlichkeit und die Arbeit, die sie heute leistet, das Resultat eines langen Prozesses sind. Das versucht sie auch den jungen Leuten zu vermitteln, die im 25hours-Hotel ihre Ausbildung absolvieren: „Ich sage immer wieder, geht ins Ausland, nutzt die Chance, ihr werdet es ganz sicher nicht bereuen! Gerade in jungen Jahren ist das wichtig, weil man noch nicht so an einen Ort gebunden ist und mit einer gewissen Naivität und Offenheit an die Dinge herangeht“. Ein Anliegen ist ihr dabei auch aufzuzeigen, was über den Weg der Berufsbildung möglich ist. Das Studium sei schließlich nicht immer das Non-plus-ultra. Manchmal sei die Praxis eine sehr viel bessere Schule.

In der Internationalisierung sieht Christine Schöner eine große Chance, die Berufsbildung insgesamt attraktiver zu machen. Es müsse verlockend sein, eine Ausbildung zu beginnen und einen Teil dieser Ausbildung im Ausland zu verbringen. In ihrer Arbeit im 25hours-Hotel achtet sie sehr auf den umfassenden Charakter der Ausbildung, zum Beispiel indem den Azubis das, was sie sich im eigenen Hause nicht aneignen können, auf andere Art und Weise vermittelt wird. So können sie unter anderem für eine Zeit in ein 25hours-Hotel in Deutschland, Österreich oder der Schweiz gehen.

Prinzipiell geht es Christine Schöner beim Thema Ausbildung immer auch um eine Vorbildfunktion: „Viele Azubis sind während der Ausbildung zum ersten Mal überhaupt von zuhause weg. Ich habe es anfangs unterschätzt, wie man sie mitreißen kann, wenn man positiv und mit Elan an die Dinge herangeht“. Genau das tut Christine Schöner, die vor ihrer Zeit in Amsterdam übrigens noch nie von einem Programm Leonardo da Vinci gehört hatte.

Weitere Informationen zur Europäischen Woche der Berufsbildung und weitere Stories über Talente unter: www.na-bibb.de/Talent-Entdecken

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