Kunst auf dem Wasser, für Wasser

Kunst für den guten Zweck - wie geht das?

Eine lange Brücke führt herunter zu den Elb-Pontons. Das Wasser glitzert in der Sonne. Keine Wolke am Himmel. In Hamburg muss das erwähnt werden. Links Boote wie der Eisbrecher Crusher, rechts dunkelgrüne Holzschuppen. Und die Lütte Deern von Barkassen-Meyer. Normalerweise liegt das kleine Schiff an den Landungsbrücken und schippert Touristen durch Hafen und Speicherstadt. Heute ist sie Interview-Treffpunkt mit der Künstlerin Julia Benz.

Die Lütte Deern ist Charity-Kunst auf dem Wasser, für Wasser – im Namen der Initiative Viva con Agua, die sich für einen menschenwürdigen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung einsetzt.

Der Schiffsrumpf des kleinen Bootes wurde mit abstrakten, fließenden Mustern von Julia Benz bemalt. “In einer Werft. Zehn Tage hat das gedauert“, erklärt sie. Der Auftrag kam direkt von Viva con Agua. Michael Fritz, Gründungsmitglied des Vereins, habe letztes Jahr bei ihr angerufen und gesagt: “Ey Benz, hast du Bock ein Boot zu bemalen?” Und sie habe geantwortet: “Ja, klar! ... Moment. Was?”

Julia Benz kam über Umwege zur Kunst, studierte dann aber an der renommierten Düsseldorfer Kunstakademie und der Universität der Künste in Berlin. Eigentlich arbeitet sie auf Leinwänden, meist sind es abstrakte Landschaften. Ohne Skizzen, rein intuitiv. Ihr Atelier ist in Berlin, aber nach Hamburg kommt sie oft – sie liebt das Gefühl von Freiheit, das der Hafen und das Wasser in ihr hervorrufen. Meistens locken sie Projekte mit Viva con Agua her. Das Prinzip lautet: Wasser in Flaschen in Deutschland verkaufen, um mit dem Erlös, wie auch mit Spendengeldern, Brunnen in ärmeren Ländern zu bauen. Kunst soll dabei Aufmerksamkeit auf einer anderen Ebene schaffen. #artcreateswater ist das Motto; ein Teil davon ist das soziale Kunstfestival Millerntor Gallery #5 im Stadion von St. Pauli. Julia Benz ist bereits zum dritten Mal dabei.

Die Gelegenheit, ihr Potential für soziales Engagement einzusetzen, findet Benz großartig. “Kunst kann kommunizieren.” Jeder könne es sehen und fühlen, spricht sie weiter. “Kunst ist wie Musik. Kunst macht mit jedem etwas.”

Sich sozial zu engagieren, sei ihr wichtig, aber man dürfe sich als Künstler dabei nicht verlieren, erklärt sie. “Wenn ich jetzt Katzen mit Wassereimern oder nur noch in schwarz-weiß malen würde, würden die Leute Julia Benz nicht mehr erkennen.”
Aber die Zusammenarbeit funktioniert für beide Seiten. Anfang 2015 war sie als inoffizielle Botschafterin in Uganda. Dort zu sein, wo das Geld hingeht, war für sie eine besonders prägende Erfahrung. “Wir waren in einem Dorf, in dem die Leute in kleinen Hütten wohnen und nur von dem leben, was ihnen die Natur gibt. Die einzigen Probleme sind Hygiene und Trinkwasser”. Es wäre wichtig, dass jeder Mensch das sehen könnte, fährt sie fort.

In der ugandischen Hauptstadt Kampala hat die 29-Jährige in nur zwei Tagen das Nationaltheater mit einem abstrakten Wasserbild bemalt. Das Theater war wie das Boot eine neue Herausforderung. “Das sind Sachen, die mir alle Angst einjagen, weil ich sie noch nie gemacht habe. Aber am Ende hat es immer funktioniert.” Auf die Idee mit dem Boot wäre sie selbst nie gekommen, aber: “Jetzt will ich ein Flugzeug bemalen.”
Zu wünschen wäre es ihr – wie auch Viva con Agua, denn das Gute an dieser Zusammenarbeit ist: Sie ist in jedem Fall eine Win-Win-Situation. 

Nepal Water Project
Mit dem Projekt Integriertes Wassermanagement zur Armutsbekämpfung will Viva con Agua im Osten Nepals die Qualität von Trinkwasser, Sanitär und Hygiene verbessern. Mit Spenden und Know-how wird besonders Minderheiten geholfen, an sauberes Trinkwasser zu kommen. Spenden kann man an der Rezeption aller 25hours Hotels; zusätzlich fließen 50 Cent/Rappen jeder Online-Buchung in das Projekt.
vivaconagua.org

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