Wein ohne Dresscode

Für eine neue Weinkultur.

Zugegeben, beim Begriff „Weinkultur“ schwingt immer etwas Altehrwürdiges mit. Vermeintliches Fachwissen, Unnahbarkeit und verkrustete Rituale haben das Weintrinken im Laufe seiner über 8.000-jährigen Geschichte zu einer pseudo elitären Kultur gemacht. Nach wie vor wird Weinkonsum größtenteils mit „gehobenen Gesellschaftsformen“ assoziiert, mit weißen Tischdecken, Kronleuchtern, teuren Gläsern – und viel, viel Gerede. Bei kaum einem anderen Lebensmittel gibt es eine solche Produktvielfalt, und über kein anderes Getränk wird so viel geschrieben, philosophiert, werden Glaubensfragen erörtert. Das macht das Ganze sehr unübersichtlich und ist im wahrsten Sinne des Wortes verkorkst.

Ich selbst habe in der Spitzengastronomie gearbeitet, bis ich mich bewusst mit tvino.de für einen anderen Weg entschieden habe: Wein vom elitären Spezialistentum zu befreien. Das mag sich wie ein Kampf gegen Windmühlen anhören; tatsächlich verfolgen wir von tvino.de ein Bedürfnis, Wein eine andere Erzählung zu geben für eine neue Generation, die aufgeschlossen ist und Qualität jederzeit gesellschaftlichem Habitus vorzieht. Dieses Qualitätsbewusstsein spiegelt sich natürlich nicht nur auf der Konsumentenebene wider. Das haben wir in Deutschland u.a. einer jungen Generation an Winzern zu verdanken, die in den letzten Jahren weit über die Grenzen hinaus auf sich aufmerksam machte. Diese Generation, die mit ihren Namen und unterschiedlichen Persönlichkeiten für die Authentizität und Qualität ihrer Weine steht, hat es geschafft, Deutschland aus dem Dornröschenschlaf zu wecken – weg von der genossenschaftlichen Massenproduktion hin zur Individualität des Erzeugers.

Gerade in Rheinhessen und in der Pfalz tut sich in dieser Hinsicht einiges. Winzer und Winzerinnen wie Katharina Wechsler, Alexander Pflüger, Lukas Krauß oder Kai Schätzel sind in ihren Weinbergen genauso zuhause wie in den großen Clubs und Restaurants der Metropolen.

Katharina Wechslers Biographie liest sich wie seitenverkehrt: entgegen dem Trend, das Glück in den Großstädten zu suchen, entscheidet sie sich, ihren erfolgreichen Beruf als Fernsehredakteurin in Berlin aufzugeben, um 2009 als Winzerin auf das Weingut ihrer Eltern ins beschauliche Westhofen nach Rheinhessen zurückzukehren. Ihre Karriere als Winzerin gleicht die eines Shooting Stars. In kürzester Zeit wurde ihr Riesling zum absoluten Geheimtipp, der mittlerweile auch international gefeiert wird. Ihre Etiketten sind so elegant, klar und zeitlos, wie die Weine. Der 2013er Riesling ist sehr direkt, kein bisschen geschönt mit einer klaren Ansage und einer präsenten Säure. Ein Wein, mit viel Energie, der einen auf der Reise durch die Nacht wunderbar begleiten kann. Alexander Pflüger aus der Pfalz setzt voll auf biologische und biodynamische Weinwirtschaft. Für seine Weine sind Nachhaltigkeit und großartiger Geschmack keine Widersprüche. Im Gegenteil: Boden, Mensch und Klima bilden hier eine unglaubliche Harmonie, die man geschmacklich sehr gut in seiner Weißwein-Cuvée aus Riesling und Gewürztraminer „Biodynamite“ und in seinem „Blanc de Noir“ entdecken kann.

Ebenfalls in der Pfalz sorgt der junge Lukas Krauß als „Mann mit Hut“ für großes Aufsehen. Seine eigenwilligen Weine, wie beispielsweise der „Pornfelder“, eine Rotwein-Cuvée aus Portugieser und Dornfelder, machten ihn über Nacht zu einer wahren Pfälzer Berühmtheit. Ein Winzer und echter Querkopf, über den wir in Zukunft sicherlich noch so einiges hören werden. Zu den „Klassikern“ der neuen Generation zählt mittlerweile Kai Schätzel, der u.a. dem rheinhessischen Nierstein wieder einen Namen mit seinen ausgezeichneten Rieslingen gemacht hat. Kai Schätzels unermüdliche Arbeit am perfekten Geschmack führte in den letzten Jahren zu zahlreichen Preisen und Auszeichnungen von renommierten Fachzeitschriften. Er selbst versteht sich mit einem Augenzwinkern als „Botschafter für deutsche Rieslingkompetenz“.

All diese Winzer sind vielleicht der Anfang einer neuen Weinkultur. Eine Kultur, die auf bedingungslose Qualität, Offenheit und Individualität setzt.

Diese Weinmacher stehen stellvertretend für viele neue Talente, die wir Sortiment von tvino.de anbieten und präsentieren. In unserer Hamburger Weinbar „Weinladen“ in der Paul-Roosen-Straße 29 lassen sich all jene Talente auch live entdecken – in der Flasche, im Glas und ohne Dresscode.

Informationen zu Veranstaltungen im Weinladen: www.tvino.de/weinladen
weinladen@tvino.de

Die Weine von Tvino.de gibt es nicht nur online zu kaufen oder im Weinladen zum Probieren, sondern Tvino.de ist gleichzeitig der Weinpartner für die Heimat Küche+Bar im 25hours Hotel Hamburg HafenCity.

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Hamburg’s Got Groove

Die kultige Hamburger Elbphilharmonie ist für ihre irre Akustik ebenso bekannt wie für ihr Programm, das traditionelle klassische Musik mit der Musik von Rockbands, Festivals und Jazz - wie z. B. die skandinavische Pianoband Rymden - miteinander verwebt. Anlässlich des Konzertes dieser Band trafen wir das Jazztrio in der „Elphi“, wo wir tief in die Geschichte der Konzerthalle eintauchten und - neben anderen Fragen - überlegten, ob Jazz die klassische Musik des 21. Jahrhunderts ist.

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Der Schweizer Tausendsassa

Dieter Meier ist jemand, den man ohne Übertreibung als musikalische Legende bezeichnen kann. Mit der Band Yello wurde der Schweizer gemeinsam mit seinem Kollegen Boris Blank in den 80ern weltbekannt. Der Sound ihrer Hits wie „Oh Yeah“ und „The Race“? Neu und experimentell, elektronisch, ein wenig gaga und dank Dieters tiefer Stimme unter die Haut gehend. Bis heute treten Yello auf. Die Musik ist dabei längst nicht Dieters einziger Ausdruck: Der Nobelmann und vermutlich best angezogene Rebell Zürichs, der sich seine Zeit eine Weile sogar als Berufspokerspieler verdingte, begann ab den späten 60ern, als Performance- und Konzeptkünstler zu arbeiten. 1972 nahm er an der Documenta 5 in Kassel teil. Auch als kreativer Unternehmer und Investor hat Dieter seine Finger überall mit im Spiel. Seine große Leidenschaft ist aber die Welt der Kulinarik und Natur und insofern seine Farm in Argentinien, wo er unter anderem Wein anbaut, Rinder züchtet und viel Zeit verbringt. Produkte aus seiner zweiten Heimat tischt er in seinen Restaurants auf — natürlich ist der Tausendsassa auch Gastronom. Gerade hat er außerdem eine Schokoladenmanufaktur hochgezogen. Irgendwo zwischen seinen vielen Projekten hat sich Dieter einen Moment Zeit genommen, COMPANION’s Questionnaire zu beantworten.

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Alles begann mit einem bescheidenen Musiklabel und ein paar Jeans. Seit seinen Anfängen im Jahr 2002, hat sich der „Purveyor of cool” zu einer kultigen Modemarke und einem Kult-Music-Label mit Coffee-Shops in Paris und Tokio gemausert. Wie war eine solche Entwicklung möglich? Mitbegründer Gildas Loaëc ließ COMPANION wissen, wie er eklektische und klassische Elemente ausfindig macht, um in diesen schnelllebigen Branchen die nötige Frische zu bewahren.

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Natascha Augustin, Senior Creative Director bei Warner Chappell, ist jene Branchenführerin mit kühlem Kopf, die Deutschlands heißeste Hip-Hop- und Rap-Acts an die Spitze der internationalen Aufmerksamkeit katapultiert – auch wenn ihre Demut sie davon abhält, überhaupt Anerkennung dafür einzufordern. Als eine Pionierin des Deutschrap seit seiner Geburtsstunde hat sie durch ihr Talent, den ständig wechselhaften Geschmack in der Popmusik zu navigieren, nicht nur Warner Chappell sondern der gesamten Industrie zu einem festen Stand verholfen. Natascha hat sich einen Moment Zeit von ihrem Nonstop-Kalender genommen, um COMPANION zu erzählen, wie sie neue Talente entdeckt, was ihr an der neuen Welle deutscher Rapperinnen gefällt und wie ihr Ausblick auf die Zukunft des Genres ist

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Dasitu Kajela-Röttger und ihr Mann Michael Röttger sind privat als auch beruflich ein echtes Dre-amteam. Kennen- und lieben gelernt haben sie sich 1985 auf einem afrikanischen Festival in ihrer Wahlheimat Frankfurt am Main. Dasitu organisierte damals einen Abend der äthiopischen Oromo-Kultur. Michael war gerade von einer langen Afrikareise zurückgekehrt und begeistert von der Mu-sik — und überzeugte Dasitu, auch beruflich seine Komplizin zu werden. Letzteres dauerte etwas länger: „So richtig für die westafrikanische Musikkultur begeistern konnte ich sie erst im Laufe der Zeit“, sagt Michael und lacht.


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