Balagan – sympathisches Chaos

Ein Portrait über Haya Molcho.

Wenn Haya Molcho kocht, scheint die Welt einen kleinen Moment inne zu halten. Die Köchin prägt bereits seit einigen Jahren die Wiener Esskultur, wo sie ihre Gäste mit den außergewöhnlichen Geschmäckern ihrer israelischen Heimatküche überrascht. Mit dem Neni Berlin bringt sie diese Kreationen nur auch das erste mal in die Hauptstadt. Dies nehmen wir zum Anlass, um nach echt israelischer Tradition alle an einen großen Tisch zusammenzubringen und gemeinsam aus den Töpfen und Pfannen zu probieren, untermalt vom DJ duo Tiefschwarz und deren Mutter.

Es gibt nur wenige Menschen, die zehn Minuten lang über Klöpse sprechen und dabei einen ganzen Tisch in ihrem Bann halten können. Haya Molcho ist so ein Mensch.

Die Köchin und Gastronomin ist das, was man wohl eine Präsenz nennt. Wie sie da lachend in der offenen Wohnküche von Ali Schwarz steht, in einem frisch renovierten Haus in Kreuzberg, rührt, hackt und würzt, umstehenden Menschen kleine Happen in den Mund schiebt und dabei so entspannt, so glücklich aussieht, man will die Augen nicht von ihr lassen. Sie hat etwas Mütterliches, ohne altmodisch zu wirken, sie leitet, ohne dominant zu sein.

Es sind vermutlich diese Eigenschaften, die es Haya Molcho erlaubt haben, ihr Geschäft so aufzubauen, wie es heute steht. Seit 35 Jahre lebt sie schon in Wien, sie stammt aus Tel Aviv doch ist teils in Deutschland aufgewachsen, wo sie auch ihren Mann, den Pantomime Samy Molcho kennenlernte. In Wien betreibt sie die Restaurants Neni und Tel Aviv Beach, einen Catering-Arm gibt es auch, und zudem vertreibt sie einige ihrer bekanntesten Mezze nun über die Supermarktkette Spar. Letztes Jahr eröffnete sie ihr erstes Restaurant außerhalb Österreichts, im 25hours Hotel in Zürich, dieses Jahr kam das Neni im 25hours Hotel in Berlin dazu.

All das erzählt Nuriel Molcho, Hayas ältester Sohn, der sich um Marketing, PR und Konzeptentwicklung in der Neni-Gruppe kümmert. Nach und nach kamen die Söhne zurück ins Familienunternehmen, Nuriels zwei nachfolgende Brüder erledigen die Buchhaltung und die Geschäftsführung. Nur der Jüngste, der ist Schauspieler.

Auch die Gastgeber sind als Familie zugegen: Neben den beiden DJs Ali und Basti Schwarz alias Tiefschwarz, die einmal für das Neni auf dem Wiener Naschmarkt aufgelegt haben und seither mit den Molchos befreundet sind, werkelt auch ihre Mutter Siglinde in der Küche.

Trotz der unübersehbaren mediterranen Einflüsse bezeichnet Haya ihre Küche nicht als israelisch. Sie bevorzugt das Wort “eklektisch”. Viele vegetarische Gerichte gibt es, viele exotische Gewürze werden verwendet, viel mit Traditionen und Kulturen gespielt.

Doch mindestens genauso wichtig wie die Gerichte ist der Ablauf des Essens. “Das muss eine richtige Schweinerei sein!” ruft Haya, als sie die einzelnen Komponenten für Sabich auf den Tisch stellt, israelische Wraps gefüllt mit frittierten Auberginen, gekochten Eiern, Hummus und Tahini. Es ist eine Küche des Teilens, des Austauschs, des Zusammenseins.

“Mein neuestes Kochbuch heisst Balagan – sympathisches Chaos. Das bin ich, ich mache das Chaos.” Ein Wort, als wäre es nur für Haya gemacht.

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