A Dress to Impress

Johnny Talbot und Adrian Runhof machen von München aus Mode auf Weltklasseniveau.

Bei Talbot Runhof wird fündig, wer etwas für die besonderen Momente des Lebens sucht – von einer ausgefallenen Bluse für das erste Date bis zur glamourösen Robe für die Oscarverleihung. COMPANION hat das Designerduo in ihrer royalen Boutique im Palais Preysing besucht. 


Auf einem zitronengelben Samtsessel hat es sich Johnny Talbot bestens gelaunt mit einem Modemagazin in der Hand gemütlich gemacht. Mit Muße blättert sich der schlanke Endvierziger im Takt seiner langsam wippenden Beine leise raschelnd durch die Seiten, während er gelegentlich mit wachem Blick aufschaut. Seine Aufmerksamkeit gilt dem Gespräch, das sein Geschäftspartner Adrian Runhof angeregt mit einer Kundin führt. Die junge Frau feiert bald ihren 30. Geburtstag und ist noch auf der Suche nach etwas ganz Besonderem: einem aufregenden Top oder einem ausgefallenen Rock. Heiter schäkernd stehen beide vor einer güldenen Kleiderstange, auf der sich eine Auswahl an noblen Kleidern aus der aktuellen Winterkollektion befindet. Immer wieder wird ein Teil prüfend herausgezogen, während Adrian leidenschaftlich auf Details wie eine ungewöhnliche Schnittführung oder eine besonders edle Haptik hinweist. 

Bei Johnny und Adrian ist die Kundin in guten Händen: Hierher, in die Münchner Boutique von Talbot Runhof, kommt, wer etwas vorhat. „Das kann der Wiener Opernball oder die Oscarverleihung sein. Aber auch ein schönes Abendessen mit Freundinnen oder das erste Treffen mit dem Tinder-Date“, sagt Adrian, der seit gut 25 Jahren gemeinsam mit Johnny von München aus Mode mit internationaler Reichweite gestaltet. Gelegen im schicken Palais Preysing mitten auf der belebten Theatinerstraße, ist allein der Besuch des repräsentativen Flagship-Stores ein besonderer Anlass: Mit seinen zeitgenössisch interpretierten Kronleuchtern, lavendelfarbenen Wänden und einladenden Polstermöbeln wirkt er wie ein moderner Palast. Es ist die richtige Bühne für ihre glamourös-moderne Mode. Liebevoll drapierte Tops hängen hier neben orange leuchtenden Cocktailkleidern und natürlich den opulenten Abendroben, für die Johnny und Adrian berühmt geworden sind. Das kam so: Als Talbot Runhof noch in den Kinderschuhen steckt, radelt eines Tages eine Dame vorbei, die nach einem schicken Dress für ein großes deutsches Event fragt. Erst hinterher stellt sich heraus, dass es die Schauspielerin Maria Furtwängler war, die ein Outfit für die Bambi- Verleihung suchte – und in ihrem neuen Fummel über den roten Teppich schreitend den Grundstein für Talbot Runhofs Red-Carpet- Karriere legt. Johnny, der Südstaatenamerikaner ist und damals noch frisch in München war, hatte die Prominente einfach nicht erkannt. Es waren die 90er-Jahre. Jene Ära der schönen Schauspielerinnen, Sängerinnen und Supermodels, in der das Foto einer Prominenten in einem Kleid als Blaupause den Erfolg eines Modehauses begründen kann. Ob Oscar, Bambi, Grammy, ob Festspiele von Cannes oder Bayreuth: Talbot-Runhof-Roben sind immer vorn mit dabei. Lokale Stars wie Eva Padberg, Iris Berben, Veronica Ferres oder Barbara Schöneberger schwören auf sie genauso wie Oscar-Preisträgerin Hellen Mirren. Und junge internationale VIPs wie Kristen Stewart, Alessandra Ambrosio, Gigi Hadid und Kendall Jenner. „Glamour liegt uns einfach, das war schon immer so“, sagt Adrian schulterzuckend. Vielleicht weil die Designer bereits von klein auf von ihm umgeben sind: Johnnys Mutter entwirft in den 70er-Jahren Bühnenkostüme für Country-Stars wie Dolly Parton. Und Adrians Eltern leiten damals ein Modegeschäft in Wiesbaden, das auch Abendgarderobe führt. Auch wenn das die zwei nicht direkt animiert, selbst Mode zu machen – beide sind Autodidakten, träumen lange nur diffus von Fashion. Adrian studiert zunächst BWL, während Johnny als Ingenieur für das amerikanische Verteidigungsministerium in der Top-Secret-Abteilung Raketen programmiert. Zufällig begegnen sie sich dann auf der Tanzfläche eines Münchner Clubs und eines führt zum anderen.„Glamour“ war für Talbot Runhof allerdings noch nie gleichbedeutend mit glitzerndem „Blingbling“: „Diesen Glamour der 90er, wie er damals in der Münchner Schickeria herrschte, gibt es heute gar nicht mehr“, sagt Adrian. „Das Parvenühafte ist ja damals direkt nach Berlin abgezogen. Die Hauptstadt ist mittlerweile auch erwachsen geworden. Aber München hat sich komplett gehäutet. Mittlerweile wohnen in der Stadt an der Isar wieder viele junge Kreative und Künstler. Es gibt sogar eine Start-up-Szene. Die Stadt ist jetzt cool.“ Ein sich veränderndes Stadtbild bemerkt das Duo auch an den sich verändernden Ansprüchen ihrer Kundinnen. Wohlgemerkt nicht nur in München, ganz generell habe sich der Zeitgeist gewandelt. Heute ginge es vielmehr darum, Anlässe als „authentische Fortsetzung des alltäglichen Lifestyles“ zu verstehen, findet Adrian. „Wichtig ist bei jedem Anlass, dass man nicht aussieht, als hätte man sich für ein Kostümfest verkleidet.“ Viele der Talbot-Runhof-Kundinnen fragten verstärkt nicht mehr nur nach dem fertigen Look, sondern nach spannenden Einzelteilen, die sie frei kombinieren können, wie es ihnen gerade gelüstet. In der Winterkollektion gibt es etwa ein aus vielen skulpturalen Schmuckelementen bestehendes Oberteil, durch welches die Haut der Trägerin subtil sexy durchblitzt. „Dazu passt doch auch eine zerfetzte Jeans ganz wunderbar“, sagt Adrian.Dennoch sind immer noch viele Frauen überrascht, wenn sie an einer anderen Trägerin eines von Talbot Runhofs modischeren Teilen sehen. „Es hält sich das Gerücht, wir würden ausschließlich Evening Gowns entwerfen“, sagt Johnny. Dem entgegnen sie etwa, indem sie zweimal im Jahr im Rahmen der Pariser Modewoche ein Defilee inszenieren, zu dem wichtige internationale Pressevertreter und Prominenz genauso wie treue Kundinnen eingeladen werden. „Für den Laufsteg kombinieren wir gern mal extravagant, auch um zu zeigen, was innerhalb unserer Marke alles möglich ist. Da wird schon mal ein zotteliger Wollpullover über einer glänzenden Brokatrobe angezogen“, sagt Adrian lachend. Außerdem konzentrieren sie sich verstärkt auf ihre eigenen Stores auf dem deutschen Markt. Talbot Runhof hängt zwar international in den besten Läden, in Luxusboutiquen in England, Österreich, Saudi-Arabien und den Vereinigten Staaten. Darunter einschlägige Adressen wie Bergdorf Goodman in New York, Harvey Nichols in London oder Bloomingdales in Dubai. Allerdings orderten diese dann doch am liebsten die klassischeren Kleider der jeweiligen Kollektion. Auch dazu dienen die eigenen Boutiquen: In ihnen kann das Markenbild nach Herzenslaune gesteuert werden. Als Konsequenz eröffneten die Designer im vergangenen Jahr Geschäfte in Berlin und Düsseldorf. In München hatten sie bereits 2015 ihr 300-Quadratmeter-Flaggschiff in der Theatinerstraße eröffnet. Dorthin gehen, wo die Kundin ist – für Talbot Runhof keine schlechte Idee. Unter ihrer Käuferschaft gibt es viele Stammkundinnen, die über die Jahre zu so etwas wie Freundinnen des Hauses geworden sind. Da schätzt man einen gelegentlichen Plausch mit den Designern während des Einkaufs umso mehr. Und auch die junge Kundin aus der Münchner Boutique wirkt schon wie eine alte Freundin, obwohl sie zum ersten Mal im Laden vorbeischaut. Johnny und Adrian sind eben „Designer zum Anfassen“, Kumpeltypen. Adrian sagt: „Wir versuchen, so oft es geht, selbst in den Läden zu sein. Was die Kundinnen am meisten schätzen, ist der persönliche Einsatz – und dann auch dieses Händchen, das Richtige zu empfehlen.“ 


Talbot Runhof’s Munich Tips 

STEREO MUC
 
Auch Männer kommen in München modisch auf ihre Kosten. Und zwar im Concept Store Stereo Muc mitten auf der Residenzstraße im Herzen der Stadt, mit eigenem angeschlos-senen Café im ersten Stock. stereo-muc.de 

WERKSTATT MÜNCHEN 
Im Atelier von Klaus Lohmeyer entstehen die romantisch-industriellen Schmuckstücke aus Gold und Silber, die er für sein Label Werkstatt München entwirft, in kunsthandwerklicher Tradition noch nach altbewährten Schmiedetechniken. werkstatt-muenchen.com 

MISTINGUETT 
Ein echtes Kabinett der Wunder befindet sich in der Ickstattstraße 3A: Von liebevoll bemaltem Porzellan über Vintage-Möbel und alte Gemälde finden sich bei Mistinguett immer wieder neue Art-Deco-Schätze.

SASKIA DIEZ 
Eigentlich ist Saskia Diez für ihren filigranen Schmuck berühmt. In ihrem Laden zeigt die Münchnerin, dass sich auch ihre Taschen, Parfüms, Sonnenbrillen und Nagellacke sehen lassen können.saskia-diez.com 

In collaboration with Talbot Runhof.

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