Royal Bavarian Design

Andrea Kraft-Hammerschall und Armin Fischer über das neue 25hours Hotel The Royal Bavarian

Nicht umsonst haben sie ihr Augsburger Designstudio Dreimeta genannt: Die „Drei“, angelehnt an die drei Dimensionen im Raum, die es zu gestalten gilt – und „Meta“ für die übergeordnete Sichtweise, die das große Ganze betrachtet und in den Vordergrund stellt. Außerdem, scherzen die beiden, jonglieren die Interior Designer grundsätzlich nicht mit Räumen, die nicht mindestens drei Meter hoch sind. Seit 2002 arbeiten sie mit den 25hours Hotels zusammen und haben schon in vier derer Ableger geschickt Lokalkolorit mit jeder Menge feinsinniger Kuriositäten verquickt. Am Bahnhofsplatz 1 in München haben sie das ehemalige „Oberpostamtsgebäude und königliche Telegrafen-Centralstation ins neue 25hours Hotel The Royal Bavarian verwandelt: Das erstrahlt jetzt in royalem Glanz – mit Restaurant, Tagescafé und einem Streetfood-Laden. COMPANION erzählen sie seine Geschichte.

COMPANION: Design, sagt ihr, muss eine Geschichte erzählen. Warum ist das so wichtig?
Armin Fischer: Uns ist es wichtig, dass ein Konzept hinter dem steht, was wir tun. Die Geschichte sollte den Ort und auch die Werte des jeweiligen Kunden widerspiegeln. Das Design muss letztlich zur Geschichte passen und wenn die Story stimmt, können alle weiteren Schritte abgeleitet werden. Sie ist quasi der rote Faden für alles, was kommt, sei es Form, Farbe oder Materialien. Details sind beim Geschichtenerzählen sehr wichtig. Sie sind die Seele des Projekts.
Andrea Kraft-Hammerschall: Es überrascht einfach, Dinge zu sehen, die man so noch nie gesehen hat. Die Orte, die Menschen so erleben, bleiben in Erinnerung und schaffen Erlebnisse. Nur so bekommt ein Haus oder ein Ort Substanz. Es ist keine leere Hülle, vollgestellt mit hübscher Dekoration. Solche Looks sind meist von kurzer Haltbarkeit. Und der Unterschied ist spürbar.

Für die 25hours Hotels habt ihr das neue Hotel in München eingerichtet: The Royal Bavarian – da schwingt ja schon ein gewisser Impetus mit. Welche Geschichte erzählt es?
AF: Wir wollten das royale Erbe Bayerns aufleben lassen, indem wir Anekdoten aus der an Kuriositäten nicht armen Geschichte der bayerischen Könige erzählen und den Gast in eine Welt eintauchen lassen, die in Teilen an diese verrückte Märchenwelt erinnert. Das tun wir nicht, indem wir das Haus mit alten Gemälden vollhängen. Das wäre zu platt. Viel interessanter sind die subtilen Details, die sich überall finden und ihren Ursprung in zahlreichen Geschichten haben, die wir während der Entwicklung des Konzepts recherchiert haben.
AKH: Dass wir keine bayerische Berg Hütten Welt mit rot-weiß karierten Tischdecken und Bergwiesenkonnotationen schaffen wollten, war uns von Anfang an klar. Wir haben verschiedene Ansätze diskutiert und uns letztlich für eine Mischung aus Grandhotel und der royalen Vergangenheit Bayerns entschieden. Und dann haben wir uns auf eine Reise quer durchs Land gemacht.

Um tiefer in die Eigenheiten des Freistaats einzutauchen?
AKH: Wir haben uns durch noble Residenzen und herrschaftliche Schlösser führen lassen und hatten dort viele inspirierende Begegnungen – angefangen in der Münchner Residenz, weiter zu den Schlössern Nymphenburg, Neuschwanstein und Linderhof und schließlich zum Neuen Schloss Herrenchiemsee. An vielen Stellen im Haus erzählen wir jetzt die Geschichten, auf die wir unterwegs gestoßen sind. Aber wer 25hours Hotels kennt, weiß natürlich: immer mit einem Augenzwinkern. Wir hätten nie das ganze Haus mit Brokatstoffen und alten Möbeln vollgestellt.
AF: Man kann sich kaum vorstellen, welche Bandbreite an Material auf solch einer Reise zusammenkommt! Aus welchem Schatz man schöpfen kann, welche Details Inspirationen liefern!

Habt ihr einige Beispiele?
AKH: Am Eingang gibt es zum Beispiel einen breiten Aufgang, der wie eine repräsentative Showtreppe wirkt und das Restaurant im Erdgeschoss mit der Rezeption und der Bar im ersten Geschoss verbindet. Das Messinggeländer reicht von der Treppenstufe bis zur Decke, fast wie ein Käfig. An den „Gitterstäben“ haben wir Lichtkugeln angebracht, die farbig leuchten, in Referenz an einen bauchig blauen Kerzenhalter im Schloss Herrenchiemsee, der dort nachts etwas Licht spendete.
AF: Für die Tapeten haben wir uns unter anderem vom Maurischen Kiosk des Schlosses Linderhof inspirieren lassen und von einer textilen Wandverkleidung im Schloss Nymphenburg. Abseits dessen gibt es viele Details, die gängige Wortbilder aufgreifen. Der Spruch „Durch die Lappen gehen“ kommt zum Beispiel von der Treibjagd. Dem Adel wurde das Wild im Wald zugetrieben, links und rechts der Route wurden Seile gespannt und Lappen darübergehängt. Ab und an ist ein Tier durch die Lappen gegangen. Die hängen jetzt auch in der Bar, als Raumteiler. Kann also durchaus passieren, dass einem da mal jemand durch die Lappen geht.

Wie schafft man es generell, dass am Ende alle mit euren sprechenden Räumen zufrieden sind?
AKH: Wir starten gern mit einem gemeinsamen Workshop, wo sich alle kennenlernen und jeder seine Ideen mit einbringt. Daraus entwickeln wir dann gemeinsam eine Storyline. Im Idealfall geht man aus dem Meeting raus und hat ein klares Bild davon im Kopf, was zum Projekt passt und was nicht. Bevor man einsteigt, ist es wichtig, sich die Gegebenheiten vor Ort anzusehen und nicht steril auf dem Papier zu entwerfen. Diskussionen, wem welche Farbe und welcher Stil persönlich gefällt, sollte man vermeiden.
AF: Natürlich schließt das nicht aus, dass manchmal Dinge kontrovers diskutiert werden und man nicht immer einer Meinung ist. Aber gerade diese Diskussionen sind wichtig, um auch das Design voranzubringen. Am Ende zählt das Ergebnis.

Und wo kommen die jeweiligen Elemente für eure Einrichtungskonzepte her?
AF: Meistens entwerfen wir das Mobiliar selbst, auch im neuen 25hours Hotel The Royal Bavarian. Vor allem in den Zimmern stammen fast alle Möbel von uns. Im sogenannten Dienstbotenzimmer etwa die Zirbelholz-Bettkiste und der Waschtisch mit Marmorplatte, auf dem die Waschschüssel aus Emaille steht; die Sekretäre und Schminktische im sogenannten Herrschaftszimmer und Adelsgemach sind alle entsprechend der Geschichte des Hauses entworfen. Für die Schränke in den Zimmern haben wir ein historisches Ornament auf das Glas aufgebracht, das von einem Originalfenster vom Flohmarkt stammt. Die Betthussen haben wir in einer Münchner Manufaktur anfertigen lassen, sie muten wie gestapelte alte Matratzen an.

Seid ihr beruflich auch mal auf Schatzsuche?
AF: Genau! Für die Vintage-Sachen haben wir über Jahre hinweg Kontakte gesammelt und natürlich sind wir auch nach wie vor auf den einschlägigen Flohmärkten in München, Leipzig und Paris unterwegs. Sobald ein Projekt losgeht, fangen wir an, Material zu sammeln. Manchmal auch schon vorher. Aber nur gute Sachen! (lacht) Und dann warten wir so lange, bis das passende Projekt kommt. Wir haben ein 1000 Quadratmeter großes Lager, in dem wir unsere Sachen horten. Das ist unsere Schatzkammer.

Mehr Infos unter www.dreimeta.de

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