The International Heartbeat of Frankfurt

Dasitu Kajela-Röttger und ihr Mann Michael Röttger sind privat als auch beruflich ein echtes Dre-amteam. Kennen- und lieben gelernt haben sie sich 1985 auf einem afrikanischen Festival in ihrer Wahlheimat Frankfurt am Main. Dasitu organisierte damals einen Abend der äthiopischen Oromo-Kultur. Michael war gerade von einer langen Afrikareise zurückgekehrt und begeistert von der Mu-sik — und überzeugte Dasitu, auch beruflich seine Komplizin zu werden. Letzteres dauerte etwas länger: „So richtig für die westafrikanische Musikkultur begeistern konnte ich sie erst im Laufe der Zeit“, sagt Michael und lacht.

Ein Jahr später gründeten sie Afroton, einen Handel für Instrumente aus Westafrika und der Welt. Obendrein bieten Dasitu und Michael Workshops an, veranstalten manchmal Konzerte und mit dem Africa Alive Festival organisieren sie jedes Jahr auch ein mehrtägiges Programm. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Kulturverständigung: „Es gibt in Frankfurt verschiedene große afrikanische Communities“, erklärt Dasitu. „Bis auf wenige Ausnahmen läuft das Leben aber in getrennten Bahnen.“ Durch verschiedene Projekte und das Festival versuchen die beiden, auch panafrikanische und internationale Ansätze und Aktionen in Frankfurt voranzutreiben. „Wir merken, dass das Interesse bei den Leuten groß ist, solche Konzerte gemeinsam mit allen Bewohnern der Stadt zu erleben“, sagt Dasitu.

Das passe gut dazu, dass es ohnehin immer mehr interkulturelle Paare und Familien gäbe — wie Dasitu und Michael selbst. „Viele der Kinder waren noch nie in der Heimat des afrikanischen Eltern-teils. Gerade denen können wir durch die Musik etwas von den Lebensweisen und der Freude der Länder zeigen“, sagt Michael, der mit Kind und Kegel schon häufiger in Dasitus alter Heimat Äthiopien war. Klar, dass beide auch auf der District Tour mit COMPANION ihre Aufgabe im Blick behalten. Sie führen durch Frankfurter Locations, die Afrika und seine vielen unterschiedlichen Länder und Kulturen erfahrbar machen. Begleitet wurden sie, wie sich das für eine Familiengeschichte gehört, von ihrer Tochter, der Fotografin Maya Röttger.

Das Unternehmen von Michael und Dasitu ist ein kleiner Schmelztiegel der Kulturen. In den Lager- und Geschäftsräumen ihres 1986 gegründeten Unternehmens Afroton drücken sich Djembés aneinander, die traditionellen Trommeln Westafrikas, genauso wie Klangschalen und Xylophone, kleinere Rasseln und größere Rhythmusinstrumente, „Instrumente der Welt“, wie es das Logo verspricht. Verkauft werden von hieraus die großen Trommeln und kleinen Glockenspiele, hübsch verzierten Didgeridoos und modernen Steel Pans direkt an Privatpersonen, hauptsächlich aber an Musikgeschäfte und Onlineshops in ganz Deutschland.

Divers wie das Sortiment ist auch das Team: „Seit Jahrzehnten arbeiten bei uns Menschen ganz verschiedener Kulturen und Religionen zusammen“, sagt Michael. „Wir versuchen immer tolerant miteinander umzugehen und gemeinsam Afroton nach vorne zu bringen.“ In einem größeren Raum für rund 100 Gäste werden hier übrigens auch Konzerte veranstaltet. Natürlich mit der richtigen kulinarischen Basis.

„Wenn wir einen besonderen Anlass haben, kommen wir immer auf Almaz Yohannes zurück“, sagt Dasitu. Nicht nur, weil die Besitzerin von African Queen ihren Gästen im Restaurant exzellentes authentisches eritreisches Essen serviert oder für Afroton-Events beizeiten ein facettenreiches Buffett zaubert, sondern weil sie ihre Speisen — etwa „Fitfit“, ein vegetarischer Eintopf aus luftigem Injera-Brot in Tomatensauße mit echter eritreischer Butter oder „Tzebhi-Begie“, geschnetzeltes Hammelfleisch in scharfer Soße —  mit einer ordentlichen Portion Herzlichkeit garniert.

Michael sagt: „Jedem Gast, egal wie fremd er ist, wird mit viel Hingabe erklärt, wie diese besondere Esskultur funktioniert.“ Und zwar so: In gemütlichen Räumen sitzen die Gäste auf Stühlen, die mit dickem Kuhfell bezogen sind, speisen von einer großen Platte, am liebsten mit den Händen. „Das ist eine wunderbare Art, gemeinsam zu essen und kommunizieren“, sagt Dasitu. Der ideale Start in den Abend – der für Michael und Dasitu am liebsten musikalisch weitergeht.

Zum Beispiel in der Brotfabrik, einem Kulturprojekt, das außerhalb der City im Stadtteil Hausen liegt. Für Neugierige, die sich das 1500 Quadratmeter große Areal das erste Mal anschauen wollen, gar nicht so leicht zu finden. Aber die Suche lohnt sich: Elf Kunst- und Kulturprojekte teilen sich die historischen Backsteingebäude, Konzerte und Lesungen bekannterer Interpreten sind genauso Teil des Programms wie Auftritte kleinerer Gruppen und Vereine.

 „Kein anderer Platz in Frankfurt bietet so vielen verschiedenen Kulturen eine Bühne“, sagt Michael. Klar, dass immer wieder auch Konzerte seines Africa Alive Festivals in der Brotfabrik stattfinden. Kooperationen, zusammen was aufbauen – das machen Michael und Dasitu sowieso am liebsten.

„Da ist eine richtige Freundschaft entstanden“, sagt Michael etwa über den Plattenladen CDs am Goethe-Haus, der in unmittelbarer Nähe zum Geburtshaus des großen Dichters mitten in der Frankfurter Innenstadt liegt. „Wenn wir Konzerte machen, auf denen auch Tonträger verkauft werden sollen, arbeiten wir mit denen zusammen.“ CDs am Goethehaus sei schließlich eine letzte Bastion in der Frankfurter City, in der noch ein großes Sortiment von dem angeboten werde, was gemeinhin „Weltmusik“ genannt wird. Michael und Dasitu empfehlen den Keller des mit kräftigen Holzregalen und olivgrünen Wänden ziemlich elegant eingerichteten Geschäfts. Da gibt es jede Menge Jazz und eine große Auswahl afrikanischer Musik. Die sie aber noch lieber draußen genießen.

Auf den großen, baumarmen Wiesen des Rebstockparks mit vorzüglichem Blick auf die Frankfurter Skyline geht das mit der Musik und dem Draußen im Sommer besonders gut.

„Der Park ist auf unserer Liste gelandet, weil er eine Begegnungsstätte afrikanischer Kulturen geworden ist“, sagt Dasitu. Jedes Jahr findet hier etwa das Afrikanische Kulturfest Frankfurt am Main statt, im kommenden Juni bereits zum 14. Mal. Dann wird es wieder Musik, Tanz und Performatives geben, Kunsthandwerk und Kulinarisches natürlich auch. Michael und Dasitu kommen aber auch ohne Bühne und Bazar gern in den Park. „Für uns ist das ein Anziehungspunkt, der uns immer an die schönen Veranstaltungen im Sommer erinnert“, sagt Dasitu.

So ähnlich ist das mit dem Schaumainkai. Auch ohne Action drumherum sitzen Michael und Dasitu gern am Mainufer auf der Wiese, blinzeln in die Sonne und schauen den Booten nach, die vorbei schippern. An ihre Leidenschaft und ihr Geschäft, an die Musik, denken sie dabei trotzdem oft. „Während des Museumsuferfestes gab es in der Nähe vom Eisernen Steg jahrzehntelang die Frankfurter Bühne“, erzählt Michael. „Da haben sich verschiedene Kulturgruppen aus der Rhein-Main-Region präsentiert.“ Das sei gerade deshalb so bemerkenswert, weil das restliche Fest, gerade mit Fahrgeschäften und Fressmeile auf der anderen Mainseite, eine recht kommerzielle Richtung eingeschlagen habe. „Gerade die Frankfurter Bühne, aber auch der Park des Weltkulturen Museums, sind bei dem ganzen Trubel eine Art Rückzugsort“, sagt Michael.

Mit dem Weltkulturen Museum, das ebenfalls am Schaumainkai liegt, haben Michael und Dasitu natürlich auch schon mal gemeinsame Sache gemacht. In den 90ern organisierten sie drei Jahre lang ein Programm für den Museumspark. Wieder war und ist es nicht nur das hübsche Villengebäude, in dem der Holzboden urig unter den Füßen knarzt, sondern das Menschliche, was Michael und Dasitu besonders gefällt. „Man kann dort recherchieren, es gibt Bastelkurse für Musikinstrumente, ganz verschiedene Dinge, allesamt realisiert von Leuten, die mit Herz und Seele ihren Job machen. Und mit ihrem Wissen bereitwillig Besuchern zur Seite stehen, die erstaunt durch die Regale irren“, sagt Michael und lacht. Zu Staunen gibt es hier tatsächlich viel. In den schweren roten Ledersesseln der hauseigenen Bibliothek lässt sich durch Bücher der Ethnologie, Kunst und Kultur blättern, in den hellen Oberetagen finden wechselnde Ausstellungen statt. Ab Oktober übrigens die Schau „Weltbewegend“, die dokumentiert, wie Migration die verschiedenen Kulturdisziplinen prägt, von der Kunst über das Handwerk, von der Sprache bis zum Lebensstil. Und natürlich der Musik.

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