Free the Food in Wien

Einkaufen ohne Plastikmüll.

Andrea Lunzer interessiert sich für Lebensmittel. Für das, was drin ist, und vor allem für das, was in der Regel drumherum ist – und das sollte ihrer Ansicht nach am besten gar nichts sein. Deswegen hat Andrea die Maß­Greißlerei, den ersten verpackungsfreien Supermarkt Österreichs, eröffnet. Worauf es beim Einkaufen ohne Plastik in diesem kulinarisch­korrekten Kleinod mitten im zweiten Wiener Gemeindebezirk ankommt? COMPANION hat es herausgefunden.

Für Andrea Lunzer, die auf einem Bio­Bauernhof aufgewachsen ist, hatten Lebensmittel und eine umweltschonende Produktion immer schon einen hohen Stellenwert. Ihr besonderer Zugang zu Verpackungsmaterialen entwickelte sich bereits während ihres Marketing­Studiums an der Fachhochschule Wiener Neustadt, wo sie sich „auf Nachhaltigkeit, genauer Erneuerbare Energie und Nachwachsende Rohstoffe“ spezialisierte. Anschließend war Andrea im Marketing einer großen Bio­Marke beschäftigt, wo sie unter anderem für Verpackungen zuständig war. Ihren eigenen Laden hat sie eröffnet, „weil’s auf der Hand liegt, dass man so etwas braucht. Bei den Verpackungen wird immer weggeschaut, hier gibt es definitiv Handlungsbedarf.“ Dabei suchte sie nach einem radikaleren Weg, als lediglich Plastik­ durch Papiertüten zu ersetzen. Im Januar 2014 hat sie schließlich ihre Maß­Greißlerei eröffnet.

Betritt man den Lebensmittelladen, merkt man, dass es sich hier um einen Biomarkt auf hohem Niveau handelt. Durch die großen Fenster wird der Raum in ein natürlich­helles Licht getaucht und ähnelt mehr einer Boutique als einem Bioladen. Die Atmosphäre ist herzlich – sofort fühlt man sich wohl und willkommen.

In einem schlichten Regal wartet die Trockenware darauf, abgefüllt zu werden, während sich nackte Gurken und andere Saisonalitäten im Kühlregal die Zeit vertreiben. Öle in lichtgeschützten Kanistern sind schon bereit für die danebenstehenden getönten Pfandflaschen und verschiedenste Gewürze wollen sich in Dosierungen nach Maß mitnehmen und schmecken lassen. Die Produkte stammen, „so gut es geht, direkt vom Produzenten. Alles, was in Österreich wächst, kommt auch von hier, wenn möglich direkt vom Bauern.“

Notwendig für den Einkauf in der Maß­Greißlerei sind wiederverwertbare Behältnisse zum Abfüllen der Lebensmittel. Dafür eignen sich sowohl hauseigene Tupperware als auch die Lunzer’schen Einmachgläser, die man direkt im Laden kaufen kann. Verwendet man seine eigenen Gefäße, muss man diese vor dem Einkauf wiegen lassen – denn bezahlt wird später nach Gewicht. Doch der verpackungsfreie Einkauf hat noch einen zweiten Vorteil: Wer nach Maß kauft, ersteht nur so viel, wie er wirklich benötigt. „Wir haben viele Kunden, die mit dem Rezept auf dem Handy zu uns kommen. In der Maß­Greißlerei kann beispielsweise ein einzelner Löffel Curry gekauft werden. Das macht Sinn, denn so kann man neue Dinge ausprobieren“, erzählt Andrea Lunzer. Dadurch landen zu Hause weniger Lebensmittel im Müll.

Wer gern etwas länger in der Ruhe des kleinen Lebensmittelladens verweilen möchte, kann es sich im angeschlossenen Kaffeehaus, mit dem sich der Laden einen Raum teilt, bequem machen. Mit Liebe zum Detail ist das Besteck auf den Tischen in alten Emaille­Kannen arrangiert. Geschirrtücher fungieren als Serviettenersatz; ganz im Sinne von Zero­Waste. Das Angebot besteht aus einer Auswahl an Kaffee, Säften und wechselnden Mittagsmenüs. Letztere werden täglich vom Bio­Zustelldienst Iss mich! zubereitet – und das ausschließlich aus dem krummen Gemüse, das es sonst selten in den Supermarkt oder auf den Teller schafft.

Die Maß­Greißlerei ist anders als ein herkömmlicher Supermarkt und daher musste auch ein besonderes Design her. Hauptaufgabe von Gestalterin Kathrina Dankl war es, die Infrastruktur der Räumlichkeiten individuell zu konzeptionieren. Fragen wie: „Wo sollen die Gefäße abgewogen werden?“ oder „Welche Inhalte müssen an welcher Stelle vermittelt werden?“ standen im Fokus.

Als Kunde findet man sich dank der klaren Raumstruktur sofort zurecht; liebevoll designte Schilder helfen dabei. „Die Schwierigkeit beim Design war die Verarbeitung von Informationen“, erzählt Andrea. Was üblicherweise auf den Verpackungen steht, muss hier auf anderem Weg kommuniziert werden. Verschiedene Flugblätter hängen an der Wand und geben Auskunft über die Produkte. Informieren kann man sich über die richtige Lagerung von Kartoffeln, Fakten zu Gewürzen und Co. sowie die generelle Funktionsweise des Ladens. Mit einem Tacker kann man sich seine eigene Broschüre während des Einkaufs basteln – man nimmt sich genau die Infos, die man haben möchte, und schleppt dafür weniger Plastik nach Hause. So kann jeder schon beim Einkauf einen kleinen Beitrag für die Umwelt leisten. 

Lunzners Maß-Greißlerei: www.mass-greisslerei.at
Weitere Informationen zum Catering-Service Iss Mich!: www.issmich.at

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