Botschafter für analogen Ton

Die analogen Experten von Supersense.

Unkonventionell zu denken, ist genauso einfach, wie sich der digitalen Welt zu verweigern – zumindest für die analogen Experten von Supersense. Von Florian Kaps, Nina Ugrinovich und Andreas Eduard Hoeller mit eigenem Laden in Wien gegründet, erobert Supersense die Sphäre der physischen Welt zurück, indem es Produkte wie Sofortbildfilm und Vinyl produziert, verkauft und kuratiert. Florians Liebe zum Haptischen wird in seiner Hingabe zur Musik deutlich, insbesondere wenn es um Schallplatten geht. Für die Schweizer Ausgabe von COMPANION verrät er mehr über seine analoge Leidenschaft und hat eine komplette Schweizer Playlist zusammengestellt.

Alles begann mit der letzten Polaroid-Fabrik im niederländischen Enschede. Tage vor deren geplanter Schließung im Jahr 2008 trat Florian Kaps auf den Plan, um sie zu retten. Er half, das Polaroid-Business wiederaufzubauen – ein Schlüsselmoment in seiner Leidenschaft für die analoge Welt. „Es ist entscheidend, dass Menschen, besonders junge, die in der digitalen Welt aufwachsen, eine Chance bekommen, analoge Technologien kennenzulernen und zu verstehen. Um so das Digitale richtig einordnen zu können“, sagt Florian. 2014 gründete er deshalb gemeinsam mit Nina Ugrinovich und Andreas Eduard Hoeller Supersense. Von Wien aus agieren die Analogexperten mit eigenem Shop auch als Berater für andere Unternehmen.

Polaroid – der langlebige Antagonist seines flüchtigen Sofortbildzwillings auf Instagram – ist allerdings längst nicht das einzige Medium, das Florian fasziniert. Für ihn ist die Schallplatte das ultimative nichtdigitale Vorzeigeprodukt; etwas, das er als ein „magisches Objekt“ beschreibt, das „dem Zuhörer das Gefühl gibt, dem Künstler näher zu sein“. In seiner Jugend hat Florian viel Zeit in Plattenläden verbracht, kürzlich begann er mit dem Aufbau einer eigenen Sammlung. Dass die Schallplatte gerade jetzt ein Comeback erfährt, ist kein Zufall, findet Florian. Im digitalen Zeitalter haben die Menschen Sehnsucht nach dem physisch Erfahrbaren: das künstlerisch gestaltete Cover, der Geruch der Hülle, das Knistern und Rauschen der Aufnahme. Kurzum, sie wollen die Erfahrung und nicht nur den Sound.

Gerade an der Schallplatte wird deutlich, dass ein Album einen Anfang und ein Ende hat. In einer Welt, die aus endlos streambaren Musikplaylists besteht, ist das ein befreiender Gedanke. In seiner ursprünglichen Form besteht ein Album eben aus einer Reihe von Songs, die vom Künstler sorgfältig ausgewählt und kuratiert wurden: Erst in seiner Gesamtheit offenbart sich das komplette Kunstwerk. Außerdem ist das Besondere an Vinyl, dass es dank seiner Kratzer und Kerben auch die Fähigkeit besitzt, Melodien einen neuen, einzigartigen Charakter zu verleihen.

Supersense kennt sich mit der unmittelbaren Beschaffenheit von Vinyl gut aus. Seit Juni 2014 produziert das Team im Living Room Recording Studio Master-Platten mittels Direct-to-Disc-Technologie. Damit sind sie eine von drei Firmen weltweit, die dieses Verfahren anbieten. Jedes Album wird nur ein einziges Mal in Echtzeit aufgenommen und hergestellt – eine verlockende Herausforderung für Musiker, die diesen Ort als Aufnahmestudio wählen.

Florians aktuelles Projekt führt ihn mit Supersense übrigens in das 25hours Hotel Langstrasse Zürich. Als Analog-Berater des Hotels will er die Gäste wieder an die Interaktion mit der Welt ohne digitalen Filter heranführen. „Wir wollen mehr als nur magische Momente schaffen. Wir wollen sie einfangen und den Menschen etwas geben, was sie mit nach Hause nehmen können.“ Es kursieren Gerüchte, nach denen etwa Schreibmaschinen, Polaroid- und Schallplatten-Automaten sowie analoge Souvenirs ihren Weg ins Hotel finden. Passend dazu hat Florian für COMPANION eine Schweizer Playlist erstellt. Bands, die es auf die Liste geschafft haben, sind das Elektro-Duo Yello oder Songs wie „I See the Light“ von Reverend Beat-Man – ein Blues-Trash-Track, der auf der ersten Direct-to-Disc-Aufnahme zu hören ist, die von Supersense in Wien aufgenommen wurde. „Wir versuchen, ein allumfassendes analoges Erlebnis zu kreieren“, erklärt Florian. „Am Ende des Tages sind und bleiben Menschen eben analoge Wesen.“

http://the.supersense.com

Hört euch einen Auszug aus Florian's Playlist für die Schweiz an:

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