Kreativer Kreis

Heimat des zweiten 25hours Hotels in Zürich.

Von einer ursprünglich etwas zwielichteren Nachbarschaft, hat sich Zürichs Kreis 4 zu einem Mekka der Kreativität gemausert. Regina Schibli lebt und arbeitet in der Gegend um das 25hours Hotel Langstrasse als Store Managerin und Kuratorin. Für COMPANION ist Regina unser Tourguide durch "ihren" Kreis 4.

Regina Schibli beherrscht das Multitasking perfekt: Hauptberuflich ist sie Geschäftsführerin von Fabrikat, dem fabelhaften Geschäft für Papeterie-Waren, Schreib- und Büroutensilien sowie: Handwerksartikeln. Der Store hat 2014 eröffnet. Daneben ist die Wahlzürcherin, die seit ihrem Wirtschaftsstudium in der Limmatstadt lebt, Kuratorin der angrenzenden Trace Gallery und Partnerin der Agentur Designer’s Club, die im hinteren Teil der Räumlichkeiten untergebracht ist. Kurzum, Regina Schibli ist Teil eines, wie sie sagt, “kreativen Konstrukts, das extrem Spaß macht”, und das nur ein paar Schritte von der Hauptschlagader des Quartiers – der berühmt-berüchtigten Langstrasse – entfernt ist. “Wer mich sucht, findet mich montags bis samstags von früh bis spät entweder im Laden, in der Galerie oder in der Agentur!”, erzählt die bestens vernetzte Connaisseuse halb im Scherz.

A Short Walk to Langstrasse
Nur eine Gehminute von Fabrikat und Trace Gallery entfernt befinden sich zwei Fixpunkte des Zürcher Nachtlebens: “Die kleine Olé Olé Bar ist eine geschichtsträchtige Institution des Kreis 4, die heute von drei zupackenden Freundinnen geführt wird. Der perfekte Ort für einen Drink, bevor man im Club Gonzo gleich gegenüber die Nacht zum Tag macht. Besonders angesagt sind deren John Doe-Parties jeden zweiten Freitag, bei denen man zu Techno-freiem Sound bis in die Morgenstunden tanzen kann.” Doch für beides ist es auf unserem Mittags-Rundgang viel zu früh.
Vielmehr bietet sich ein Besuch beim Gregory Clan an, einer Schreinerei, die in einer Nebengasse Holz-Fabrikate nach alter Handwerkskunst herstellt. Schreinermeister und Innenarchitekt Dylan Gregory teilt mit Regina Schibli die Lust, “Umgebungen zu gestalten, die Spaß beim Arbeiten machen.” Nebst Massivholz-Möbeln nach Kundenwünschen, produziert er auch Eigenkreationen wie einen formschönen Nussbaum-Hocker. “Die Tatsache, dass man in Hinterhöfen Orte wie die Werkstatt von Gregory Clan findet, macht für mich den Charme aus”, sagt Regina Schibli, welche die grundsätzlich positive Aufwertung der letzten Jahre auch mit kritischen Blick sieht. Vor zehn Jahren habe man zwar das Elend des Drogen-Milieus täglich vor Augen gehabt, aber heute kämpfen die Gewerbetreibenden dafür mit den Exzessen der Partyszene.

  • Fabrikat & Trace Gallery, Militärstrasse 76
  • Olé Olé Bar, Langstrasse 138
  • Club Gonzo, Langstrasse 135
  • Gregory Clan, Langstrasse 115

Don’t Be Square, Helvetia!
Kaum am Helvetiaplatz der Kreis 4-Mitte angelangt, steuert Regina Schibli auf den stadtbekannten Kanzlei-Flohmarkt zu, der ganzjährig samstags stattfindet. “Von einem Flohmarkt mit leeren Händen nach Hause zu kommen, ist eine Herausforderung für mich. Ich finde immer eine schöne Rarität.” Mit fabrikneuen Möbeln kann sie nicht viel anfangen. Sie bevorzugt Objekte mit Patina, denen man die handwerkliche Tradition ansieht. Gleich neben dem Flohmi, wie man in Zürich sagt, steht das altehrwürdige Volkshaus, das sich vorzüglich für einen Aperitif – oder schweizerisch korrekt: Apéro – eignet. Nur einen Steinwurf davon entfernt befindet sich das Geschäft Soeder, das man nach Schibli “keinesfalls verpassen” solle. Einer der Mitinhaber, Johan Olzon, und sie seien Brüder im Geiste, so findet man auch hier nachhaltig Produziertes aus europäischen Manufakturen vom Sandschüfeli für die Kleinen bis zum Rasierpinsel.

  • Kanzlei-Flohmarkt, Kanzlei Areal/Kanzleistrasse 56
  • Volkshaus, Stauffacherstrasse 60
  • Soeder, Ankerstrasse 124

Neo-Boulevard
Wer bei Soeder in Shopping-Laune gekommen ist, dem empfiehlt die Kreis-Kennerin die Badenerstrasse (zwischen den Tramstationen Bezirksgericht und Kalkbreite). Zürichs neueste Flaniermeile hat mit Making Things und Street-Files zwei Boutiquen für urban-casual Mode zu bieten. Wer es sportlicher mag, sollte bei Visitor vorbeischauen, einem Geschäft, das den kalifornischen Surfer-Style städtetauglich macht. Für echte Wellenreiter gibt es im Untergeschoss auch das passende Surfboard.
Der Kalkbreite-Komplex ist ideal für einen Pitstopp. Das renovierte Zentrum bietet einen öffentlich zugänglichen Innenhof mit Dachterrassen, die zur schönen Aussicht auf Zürichs Hausberg, den Uetliberg, einladen. Gleich nebenan befindet sich das Arthouse Uto Cinema mit seinen rot gepolsterten Kinosesseln, das internationale Autorenfilme zeigt.

  • Making Things, Badenerstrasse 177
  • Street-Files, Badenerstrasse 129
  • Visitor, Badenerstrasse 123
  • Arthouse Uto Cinema, Kalkbreitestrasse 

Green Pavement
Was wäre ein Quartier ohne Parks? Im Kreis 4 ist die Bäckeranlage der ideale Ort, um sich im Gras auszustrecken und in die Sonne zu blinzeln. “Ich komme gerne über Mittag hierher. Im Park-Restaurant gibt es frische Quiches und Salate und auf der Wiese kann man gut entspannen und seinen Gedanken nachhängen.” Noch dazu ist es ein guter Grund, sich kurz aufs Fahrrad zu schwingen. Wenn es schneller gehen muss, ist das Restaurant Hot Pasta gleich neben dem Fabrikat-Store meist die erste Wahl. Oft isst Regina Schibli mit Designern und Künstlern aus dem Quartier am großen Tisch in der Galerie zu Mittag. “In Zürich hat man nicht das Gefühl, ständig etwas zu verpassen, wie es in vielen Weltstädten der Fall ist”, erklärt sie. “Veränderungen passieren hier langsamer als anderswo und man kann aktiver Teil davon sein. Gerade im Kreis 4 werden viele große Ideen im Kleinen umgesetzt – ideale Voraussetzungen für eine lebendige Kreativszene.”

  • Bäckeranlage, Hohlstrasse 67
  • Hot Pasta, Universitätsstrasse 15

Coffee to Stay, Furniture to Go
Wer einen Kaffee oder Espresso-Shot braucht, dem legt Regina Schibli zwei Lieblingsorte ans Herz. Das Café Z bei der Fritschiwiese und das Café du Bonheur am Bullingerplatz. Beides lädt zum ausgiebigen Brunch oder einfach zu der in der Deutschschweiz sehr beliebten Combo von Kaffee und Gipfeli ein – bei schönem Wetter auch im Freien. Denn sollten im Café du Bonheur alle Außentische besetzt sein, wird einfach die Inneneinrichtung auf die Straße getragen, Blumenbouquet inklusive. Noch weiter geht das Café Z, in dem man das Mobiliar gleich mit nachhause nehmen darf, sobald man an den Take-a-Seat-Versteigerungen, die regelmäßig stattfinden, einen umgestalteten Stuhlklassiker ergattert. Fällt das Hämmerchen im rechten Moment, quittiert man den Auktionsgewinn am besten auf Züritüütsch mit “Merci”, mit Betonung auf der ersten Silbe, versteht sich.
Über einem Latte Macchiato setzt Regina Schibli zum Fazit an: “Das Quartier steckt mitten in der Transformation und saugt alle Einflüsse auf wie ein Schwamm … ” – in diesem Moment läuft ihr Friseur Sead Bayhan (“Der Beste der Stadt!”), in der Hand vier Becher Kaffee balancierend, an uns vorbei. Er organisiert die eingangs erwähnten John Doe-Parties im Gonzo.
Der Rundgang endet folglich dort, wo er begann: im Fabrikat Store. Es lebe der Kreis!

  • Café Z, Zurlindenstrasse 275
  • Café du Bonheur, Zypressenstrasse 115 

Fabrikat
Ganze 16 Monate nahm der Innenausbau von Fabrikat in Anspruch. Die Mühe hat sich gelohnt: Das Geschäft zählt zu den originellsten und überzeugendsten Retail-Konzepten der Limmatstadt. Ein Besuch lohnt sich allein für den einzigartigen Innenausbau, bei dem Art déco auf futuristische Elemente und Bauhaus-Anlehnungen trifft.
Verkauft werden Arbeitsgeräte und Schreibutensilien von herausragender Handwerksqualität, Objekte, die nicht nur makellos funktionieren, sondern auch inspirieren: Handgemachte Schweizer Pinsel, Füllfederhalter im Reiseformat von Kaweco, eine breite Auswahl an Spezialscheren von William Whiteley aus Sheffield, Notizhefte von Postalco aus Japan … Jedes Produkt hat eine Geschichte, welche Regina Schibli und ihr Team den Kunden weitergeben – aus Liebe zum prä-digitalen Handwerk.

District 4 in 5 Sätzen
Die Stadt Zürich ist administrativ in zwölf Bezirke – so genannte Kreise – unterteilt. Am meisten von sich reden macht derzeit der Kreis 4. Hier treffen die aktuell spannendsten Stadtentwicklungen auf engstem Raum aufeinander. Jahrhundertprojekte wie dieEuropa-Allee sowie die Eröffnung des Toni-Areals und des Kalkbreite-Komplexes haben das Viertel nachhaltig aufgewertet. Der Kreis 4 ist heute ein dynamischer Melting Pot von Kunst, Kommerz und Kryptonite-Fahrradschlössern.

Dieses Portrait ist Teil einer Kollaboration mit dem Onlinemagazin Freunde von Freunden.

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