25hours blog

die stadt von morgen entwerfen

werner aisslinger über leben und arbeiten von morgen


Werner Aisslingers Lebenslauf liest sich wie das VIP-Register der Designbranche. Die Arbeiten des Produktdesigners haben es bis ins MoMA geschafft; zu Studio Aisslingers Kunden zählen Vitra, BASF und Mercedes Benz. Lieber als auf seine ellenlange Vita blickt der Wahlberliner in die Zukunft – aktuell in seiner Ausstellung „House of Wonders“ in der Münchner Pinakothek der Moderne, in der er das Leben und Arbeiten von Morgen erforscht. Wie passend, dass Werner auch für 25hours Hotels vorausschauend agiert: Schon mit der Gestaltung des Bikini Berlin hatte er 2013 innovative und individuelle Hotelideen umgesetzt. Für das im Frühjahr 2017 eröffnende neue 25hours Hotel Langstrasse Zürich setzt er seine Zukunftsvision fort. Mit COMPANION spricht Werner über das Wohnen und die Hotellerie von Morgen genauso wie über das neue 25hours Hotel.

 

COMPANION: Werner, in der Münchner Pinakothek der Moderne zeigst Du noch bis September 2017 die Ausstellung „House of Wonders“, in der Du Leben und Arbeit der
Zukunft erkundest. Zu welchem Ergebnis kommst Du?

Werner Aisslinger: Ich setze mich primär mit der Ehrfurcht des Menschen gegenüber der Technologie und der digitalen Welt auseinander. Meiner Meinung nach können wir den Fortschritt nicht aufhalten, aber ihn viel natürlicher und unprätentiöser in unseren Alltag integrieren. Die Vorschläge, die ich dazu unterbreite, sind allerdings mit einem Augenzwinkern zu genießen: Zu sehen gibt es etwa die „Homedrone“, eine Haushaltsdrone, die zum Wäscheaufhängen programmiert wurde, und einen Roboter auf Rädern, der Pflanzen gießt und ein Strickkleid trägt.

 

Indem Du Roboter in Kleidung hüllst, nimmst Du den Menschen also die Ehrfurcht vor der Technologie?

So könnte man das sagen. Der Mensch ist ein analoges Wesen und die aktuelle Technologie oft nicht greifbar, was sie uns fremd erscheinen lässt. Die Vermenschlichung hilft uns, einen Bezug zur Robotik aufzubauen. Wir müssen verstehen, dass es Technologien gibt, die nun mal nicht mehr verschwinden und die bei aller berechtigter Kritik, etwa an Big Data, ja auch eine Verbesserung für unseren Alltag bedeuten. Als das iPhone um die Ecke geschossen kam, hätte man auch nicht gedacht, wie sehr es den Alltag revolutionieren würde. Trotzdem denke ich, dass die Welt zukünftig wieder analoger werden wird.

 

Analoger?

Nehmen wir die heutigen Benutzeroberflächen. Haptischere Interfaces wären für den Menschen im wahrsten Wortsinn greifbarer als diese fast zweidimensionalen Screens, auf denen man den ganzen Tag herumtippt. Organischere Formen werden kommen, das kann aber noch dauern. Neue Technologien bedeuten ja nicht, dass die Welt automatisch weniger physisch wird. Ich denke, dass Errungenschaften zukünftig zu einer Hinwendung zur Natur führen, man sich von der industriellen Produktion abwendet und Produkte stattdessen züchtet, wo auch immer auf der Welt sie gerade benötigt werden. In München zeigen wir meine Utopie des „Chair Farming“. Dabei wachsen Pflanzen in ein Metallkorsett, das nach einer gewissen Zeit geöffnet wird – man kann den fertigen Stuhl dann quasi ernten.

 

Eine Deiner berühmtesten Arbeiten ist ein mobiler Wohn- und Arbeitswürfel. Er ist ebenfalls in der Münchner Ausstellung zu sehen. Wie passt er ins Bild?

Der Mensch wird mobiler, lebt eine Weile hier und dort. Gleichzeitig mangelt es allerorts an Wohnraum. Das heißt, dass auch der Platz, den der Einzelne zum Leben hat, tendenziell kleiner wird. Daran müssen wir uns langfristig anpassen. Ein Ansatz dazu ist mein „Loftcube“, den man beim Umzug in eine andere Stadt einfach mitnehmen kann. Er ist so konzipiert, dass er hervorragend auf flache Großstadtdächer passt. Die ursprüngliche Idee war, mit ihm von einem Dach zum nächsten ziehen zu können und dadurch in Großstädten „Rooftop Communities“ zu bilden. Es gibt mancherorts schon Anbieter, die Flachdächer wie Campingplätze betreiben. Da kann man mit seinem Cube per Kran oder Hubschrauber kommen. Logistisch ist das sogar halbwegs günstig. Ein Container nach Shanghai kostet vom Rotterdamer Hafen aus zum Beispiel 1250 Euro, der Cube passt in zwei Container.

 

Mit Studio Aisslinger designst Du Möbel, Objekte, ganze Innenräume – auch für die Hotellerie: Für die 25hours Hotels hast Du 2013 bereits das Bikini Berlin gestaltet, im April eröffnet das 25hours Hotel Langstrasse Zürich. Wäre Dein Loftcube eigentlich eine Alternative zum klassischen Hotel?

Gewiss könnte man auch bei einem Hotelbetrieb sein „Schneckenhaus“ mitnehmen. Aber wenn alle, die sonst in einem klassischen Hotel wohnten, mit ihren eigenen Cubes unterwegs wären, käme es zu einer ziemlichen Akkumulation über den Dächern. Bislang ist das außerdem eine Kostenfrage.

 

Trotzdem sind Hotels weit mehr als überdachte Schlafplätze – und deshalb genauso sich verändernden Ansprüchen unterworfen wie alle anderen Wohnräume. Was müssen Hotels in Zukunft mitbringen?

Heute wird verstärkt nach einer Verbindung zur jeweiligen Stadt und deren Locals gesucht, allein schon über die Lage des Hotels und über die Stimmung, die es ausstrahlt. Das sieht man nicht zuletzt daran, dass Plattformen wie Airbnb rasant wachsen. Die Hotellerie muss zukünftig das bieten, was diese Plattformen nicht können, nämlich das Gefühl von heimatlicher Geborgenheit und gleichzeitig Erlebnisse und überraschende Bereiche, die man so von einem Hotel nicht unbedingt erwartet. Immer wichtiger wird dabei das „Social Interacting“: Räume der Begegnung zu schaffen, die ein analoges Kennenlernen von Leuten ermöglichen. Wo immer mehr Menschen allein leben oder reisen, wird auch das Bedürfnis nach sozialer Interaktion wichtiger.

 

Wie wendest Du Dein gesammeltes gestalterisches Wissen aus dem Möbel- und Objektbereich eigentlich in der Hotellerie an?

Ob es nun um einen Stuhl, ein Regal oder Hotel geht: Generell versuchen wir bei Studio Aisslinger immer, das Maximum an visionären oder konzeptionell neuen Ideen durchzusetzen. Wir sind nicht bloß Innenarchitekten, die planen und einrichten, sondern wir kümmern uns auch noch um die einzelnen Gegenstände und die Geschichte. Die Geschichte, die wir im neuen 25hours Hotel Langstrasse Zürich erzählen, heißt „Pocket Universe“. Einerseits ist das eine Anspielung auf einen Song der Schweizer 80er-Jahre-Band Yello, gleichzeitig ist der Kreis 4, also der Bezirk, in dem das Hotel entsteht, auch irgendwie ein „kleines Universum“: Das, was in der großen weiten Welt passiert, findet dort in einem Mikrokosmos statt.

Das Hotel liegt an der Ecke der Langstrasse zur Europaallee, damit verbindet der Bau gleichzeitig zwei extrem kontrastreiche Welten. Die Langstrasse in der Bahnhofsvorstadt beherbergte das Drogen- und Rotlichtmilieu Zürichs. Heute ist das Migrationsviertel gerade unter den jungen Schweizern „up and coming“. Europaallee wiederum ist ein komplett neu entstandenes Wohn-, Arbeits- und Shopping-Quartier, das gerade erst mit Leben gefüllt wird. Auf dieser Grundlage wollen wir die Stadt in das Hotel holen.

 

Wie gelingt diese räumliche Einbindung?

Wir sind erst einmal die Langstrasse entlanggeschlendert, um zu schauen, was es dort so gibt. Fasziniert hat uns zum Beispiel das Prinzip Leihhaus, das man in solchen Quartieren häufig findet: Wer gerade kein Geld hat, tauscht etwas ein, andere Menschen können vorbeischauen und im Bestand stöbern. Das wollten wir gern auf das 25hours Hotel übertragen und haben die Rezeption als „Leihhaus“ entworfen. Die Idee ist, dass Gäste, primär die Locals, als Gegenwert für eine Übernachtung im Hotel die Möglichkeit haben, Objekte zum Tausch anzubieten – zumindest gelegentlich. Vielleicht kommt jemand mit einem tollen Hocker, Teppich oder Stuhl? So bleibt der Ort gleichzeitig spannend. Ansonsten ist das Spielchen immer das gleiche: Man muss zusehen, dass man lokale Kreative an Bord holt und denen eigene Freiräume schafft.

 

Wie habt Ihr das in Zürich umgesetzt?

Wir haben für das 25hours Hotel Langstrasse Zürich zum Beispiel die Schweizer Künstlerin Esther Eppstein verpflichtet, die mit einem Residency-Programm Künstler ranholen wird, die im Haus leben und ausstellen sollen. Da hast du natürlich schon eine Art Anker geschaffen. Außerdem setzen wir gemeinsam mit de Sede, einer Schweizer Manufaktur, Möbelentwürfe um. Und es wird eine Installation mit Taschen von Freitag geben. Spannender wird ein Hotel eben erst dann, wenn auch diejenigen, die in der Stadt wohnen, gern vorbeikommen.

 

Warum ist Euch die Akzeptanz am Ort so wichtig? Hotels sind doch in erster Linie für Reisende gedacht.

Eigentlich haben schon Hotels vor 100 Jahren so funktioniert. In den Grandhotels haben die Reichen und Schönen der Stadt ihre Feste gefeiert, die Gäste waren nicht nur unter sich. Heute herrscht in den einstigen Prachthotels leider tote Hose. Womit wir wieder bei Räumen der Begegnung wären: Das Hotel an sich muss wieder zu einem Platz werden, an dem sich Leute treffen, die zu Besuch in der Stadt sind, und solche, die ohnehin dort leben. Für den Gast ist es doch viel spannender, wenn er nicht nur andere Gäste mit Reiseführern vor der Nase morgens beim Frühstück sieht. Sondern das Gefühl hat, er sei an einem Ort, der die Stadt auch wirklich abbildet.

 

Den Anspruch haben scheinbar nur wenige Hotels, die meisten sehen ja ziemlich gleich aus.

Das krasse Gegentück zu diesem Konzept sind natürlich die großen Kettenhotels. Da wache ich morgens auf und weiß gar nicht, ob ich gerade in Hongkong, Tokio oder sonst wo bin,
weil jede lokale oder persönliche Note fehlt. Das finden die 25hours Hotels zum Glück genauso blöd wie ich, weshalb deren Konzept ist, immer etwas Eigenes zu schaffen, das vom Austausch mit der jeweiligen Stadt lebt. Ich hoffe deshalb, dass auch die kreativen Zürcher das neue Hotel in der Langstrasse nicht als Designkonserve sehen, sondern gern vorbeikommen, dort mit ihrem Laptop sitzen und ihren Milchkaffee trinken. Pardon, wie nennen es die Schweizer noch? Eine „Schale“.

artikeldetails

datum 08.02.2017
autor Celina Plag - Freunde von Freunden
bilder Patricia Parinejad
tags WernerAisslinger, Design, Companion, FreundevonFreunden, Zürich, Berlin

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Werner Aisslinger wurde 1964 in Nördlingen geboren. Der Designer und sein Team haben den Schwerpunkt im Produktdesign. Aisslinger experimentiert gerne mit neuen Materialien und Technologien und …

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