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körpersprache

ein interview mit samy molcho


Samy Molcho ist im siebten Stock des 25hours Hotels beim MuseumsQuartier angekommen. Vom Balkon aus lässt der in Tel Aviv geborene Wahl-Wiener den Blick über die Stadt schweifen und dann geht’s gleich zur Sache. Thema des ehemaligen Pantomime-Stars – auch heute noch beweglich bis zur Augenbraue – ist seit drei Jahrzehnten die Körpersprache. Sein Wissen vermittelt der 79-Jährige heute als Coach. COMPANION wollte wissen: Was machen wir eigentlich mit unserem Körper?

 

COMPANION: Sie sind Körpersprache-Experte. Wie sind Sie das geworden?

SAMY MOLCHO: Ich habe mich mein ganzes Leben mit Körpersprache auseinandergesetzt. Das hat natürlich mit dem Theater begonnen. Denn was bedeutet Theater? Rollen zu spielen. Dabei geht es nicht ums Grimassenziehen. Jede Rolle hat eine eigene Seele, einen eigenen Charakter, eine eigene Körperlichkeit. Wenn ich mich in die Körperlichkeit eines Charakters begebe, dann fange ich an, anders zu denken und anders auf meine Umgebung zu reagieren. Am Anfang stand bei mir immer die exakte Beobachtung von Körpersprache.

 

Mittlerweile ist die Bedeutung von Körpersprache anerkannt. Welchen Stellenwert nimmt der Körper in unserer Kommunikation ein?

Wir kommunizieren zu rund 80% nonverbal. Das hat damit zu tun, dass die Augen das Meiste wahrnehmen. Dann erst kommen Hör-, Tast- und Geruchssinn.

 

Fürs Auge machen wir heute eine Menge – wir verausgaben uns geradezu für den perfekten Körper. Was übersehen wir dabei?

Ja, und vor allem war das mal ganz anders! In der Religion galt der Körper lange als Sünde. In unserer Fixiertheit auf unser Äußeres vergessen wir oft, die Aussagen des Körpers wahrzunehmen: Ist jemand zurückgenommen, kampfbereit, hört er zu? Der Körper gibt unaufhörlich Informationen über uns ab. Ich nenne ihn gern den größten Schwätzer aller Zeiten. Aber das Gegenüber muss diese Informationen auch lesen (können). In der verbalen Sprache kann ich entscheiden, wem oder wann ich Informationen preisgeben will. Nicht so bei der Körpersprache.

 

Was halten Sie denn von dem Ratschlag, einfach „man selbst zu sein“?

Die Menschen haben oft Angst, ihre Authentizität zu verlieren. Dabei ist das, was wir für Authentizität halten, oft ein verzerrtes Bild von uns. Wir sind voller Hemmungen. Und ein Resultat unserer Erziehung. Meist haben wir in der Erziehung ein „Nein“ gehört und nicht: „Entfalte dich!“

 

Was bedeutet das für uns?

Wir müssen lernen, uns zu öffnen. Nicht jedes Gegenüber ist mir feindlich gesinnt. Rund 97% unserer Ängste spielen sich im Kopf ab. Wenn ich Teilnehmer in meinen Seminaren dazu auffordere, mit offenem Mund und hängender Zunge den Kopf zu schütteln, will das keiner machen. Nicht weil das auf körperlicher Ebene schwierig ist. Es geht vielmehr um die Frage: Was hindert dich daran, diese Bewegung zu machen? So was tut man nicht. Dabei ist es wichtig, neue Bewegungen auszuprobieren, um mich anders zu erleben und zu sagen: Ja, das bin auch ich – ein Ich, das ich bisher vielleicht nicht gekannt habe. Diese Erkenntnis steht oft am Anfang eines Prozesses.

 

Das ist leichter gesagt als getan …

Richtig. Menschen wollen geliebt werden. Erziehung ist Konditionierung und hantiert mit Lob und Strafe. Ich gehöre noch zu einer Generation, die sich beim Essen Bücher unter die Oberarme klemmen musste, um zu lernen, Haltung zu bewahren. Wenn ein Buch runterfiel, musste man aufs Abendessen verzichten. Mir geht es heute nicht darum, zum Anarchismus aufzurufen. Sondern dazu, selbstbestimmt entscheiden zu können, wann ich etwas anders machen kann.

 

Wie wäre es zum Beispiel, wenn wir Jungen mal die Smartphones abschalten würden?

Am Smartphone hängen aber alle, Junge wie Alte. Es ist eine romantische Vorstellung, dass man darauf verzichten kann. Genauso wie auf den Computer.

 

Wie haben Smartphones die Körpersprache in der Öffentlichkeit verändert?

Was hatten wir vorher in der Hand? Zeitungen. Wir erinnern uns doch noch gut an das Bild vom Ehemann, der beim Frühstück die Nase in die Zeitung steckt. Die Frau spricht und er versteckt sich hinter dem Papier. So kommunikativ waren wir früher also auch nicht. Natürlich hat das Smartphone neben vielen Vorteilen auch Nachteile. Wenn jemand zu einer Besprechung geht, rate ich immer, vorher keine Nachrichten zu verschicken. Wenn man eine SMS schreibt, zieht man, ohne es zu merken, die Brust zusammen, man verschließt den Körper. Und mit dieser Einstellung geht man dann in die Besprechung.

 

Hat denn unsere Vernetzung und unsere Mobilität die Kommunikation mit anderen Kulturen verbessert?

Das glaube ich schon. Die erste Angst ist und war immer die vor dem Fremden. Früher galt, ob in Österreich oder in der Schweiz, schon das Tal hinter dem Berg, das einen anderen Dialekt sprach, als fremd. Mobil waren damals nur Eroberer oder Geschäftsleute. Heute sind alle unterwegs. Wir erfahren eine Menge – über die sozialen Netzwerke, das Fernsehen, Fotografien.

 

Trotzdem gibt es Unterschiede in der Kommunikation, oder?

Unsere biologischen Voraussetzungen sind überall gleich: Wir essen durch den Mund, riechen durch die Nase. Die Unterschiede liegen im Detail. Mitteleuropäer halten ihre Oberarme meist zum Schutz in der Nähe des Körpers. Weil es kälter ist und die Räume kleiner. Je südlicher, desto mehr sind die Menschen draußen. Man hat mehr Raum um sich, die Bewegungen sind breiter. Mein Appell ist: Wenn das Gegenüber gewohnt ist, viel Raum einzunehmen, brauchst du dich nicht zurückzuziehen. Du hast auch Raum, nutze ihn!

 

Kann man das üben?

Es geht in erster Linie ums Verstehen. Die Beweglichkeit zur Umsetzung hat schließlich jeder. Voraussetzung ist die Überwindung von Ängsten und sozialen Hemmungen, um ein neues Ich zu erfahren.

 

Intensiv-Einführungsseminar in die Körpersprache: In zwei Tagen vermittelt Samy Molcho anhand von theoretischem Wissen und praktischen Übungen die Kunst der Körpersprache.
samy-molcho.de

 

„Körpersprache des Erfolgs – Jubiläumsausgabe” Samy Molcho
Ariston Verlag, 2015 gebunden, 192 Seiten, Deutsch 12,40 EUR
randomhouse.de

artikeldetails

datum 15.07.2016
autor Anne Feldkamp - Freunde von Freunden
bilder Andreas Jackwerth
tags FreundevonFreunden, Companion, SamyMolcho, Wien, Körpersprache, Interview

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