Coworking Cosmos

Werner Aisslinger ist einer der gefragtesten Designer Deutschlands. Mit COMPANION spricht er über das neue 25hours Hotel The Circle Cologne, analoge Orte in einer digitalen Welt und das Arbeiten in der Badewanne.

COMPANION: Werner, du befasst dich bei deiner Arbeit häufig damit, wie wir in Zukunft leben und vor allem arbeiten werden. Was treibt dich an?

WERNER AISSLINGER: Die gesamte Büro- und Arbeitswelt wird sich drehen – mehr als wir uns das zurzeit vorstellen können. Die Produktion in Fabriken wird komplett automatisiert ablaufen und alle Nichtroboter, also Menschen, die noch arbeiten, werden das an neuen, effizienten Wohlfühlorten tun, die es noch zu erfinden gilt.

Orte wie das neue 25hours Hotel The Circle Cologne, das du gestaltet hast? In dessen Café ist auch ein Coworking-Space untergebracht.

Coworking ist ja, wenn man sich Unternehmen wie WeWork ansieht, ein extremes Wachstumsphänomen weltweit. Die Frage ist natürlich, warum nicht Hotels, die ohnehin die Infrastruktur für Food & Coffee und Wohlfühlen an Bord haben, Coworking-Locations werden könnten. Es gibt ja mittlerweile das Phänomen, dass Tech-Firmen wie Apple ihre Mitarbeiter in Coworking-Hotels am Strand zum Arbeiten und Relaxen schicken – da entsteht ein ganz neuer Markt.

Eignen sich Hotels von der Struktur her überhaupt als Coworking-Orte?

Gerade Hotels. Sie eignen sich viel besser als Orte, die ein reiner Coworking-Space sind, der versucht, die Themen Community, Service und Wohlfühlen um die Arbeitsbereiche herumzubauen – das existiert bei den Hotels eben alles schon. Wir rechnen damit, dass der Coworking-Space zu zwei Dritteln von Locals benutzt werden wird, das andere Drittel sind Hotelgäste.

Also keine einsamen Stunden abends am Hotelschreibtisch mehr?

Schreibtische planen wir bei unseren Hotelprojekten schon gar nicht mehr ein. Abends wird man immer lieber im Zimmer auf dem Bett sitzen, um seine Mails zu beantworten, und tagsüber ist man lieber Teil einer Community und sitzt dann in den öffentlichen Bereichen, die zunehmend Coworking-Areas sein werden.

Du hast auch das „Cowork Bath“ entworfen, also ein Badezimmer mit Arbeitsbereich – eine Idee, die Potenzial für die Zukunft hat?

Das war für die Ausstellung „House of Wonders“ in der Pinakothek der Moderne in München, wo es um das Leben von Morgen ging, das auch mit neuen, hybriden Wohnfunktionen spielt, die bisher nicht verknüpft wurden. In der Badewanne kommen mir oft die besten Ideen.

Wie schafft man Orte, an denen man sich wohlfühlt, aber auch produktiv arbeiten kann?

Wie bei vielen anderen Orten auch sind Platz, Akustik und Licht sehr wichtig. Beim Coworking kommt noch der WLAN-Speed dazu. Für uns Designer geht es darum, extrem advanced zu sein. Wir müssen beim Coworker Euphorie und Enthusiasmus erzeugen. Er muss das Gefühl haben, Teil einer coolen Community in einem äußerst coolen und ungewöhnlichen Ambiente zu sein. Wenn der Service stimmt und sich die Coworker auf einer professionellen Business-Ebene vernetzen können, dann läuft’s.

Lenkt das Kölsch, das es an der Theke gibt, nicht etwas von der Arbeit ab?

Nun, die Medienbranche in Köln ist ja ziemlich erfolgreich, die Verbindung von Kölsch und Arbeit scheint also zu funktionieren.

Ein Coworking-Space passt auch zum übergeordneten Thema des 25hours Hotel The Circle Cologne: „New Worlds“ zelebriert gewissermaßen den Retro-Futurismus.

Es geht um die Zeit der Utopie und der Technik-Euphorie in den 1950er und 60er-Jahren, als die Menschen von einer besseren Zukunft und dem Leben auf dem Mars träumten. Unser Hotelkonzept nimmt Themen dieser Euphorie auf, ohne ein „2001: Odyssee im Weltraum“-Space-Hotel zu sein. Wir sehen Hotels heute als vitale, unkonventionelle Erlebnisorte, die den Gast überraschen, begeistern und in eine andere Stimmung bringen sollen, als er das von einem Hotel erwarten würde. Analoge Orte müssen sich heute anstrengen, um mit der digitalen Welt Schritt zu halten.

Schlägt sich dieser Design-Ansatz auch im Coworking-Café nieder?

Die Coworking-Welt wird durch extrem interessante, futuristische Arbeitsinseln – alles Unikate – von uns gestaltet. Es gibt zum Beispiel „Working Units“, also kleine Einzelarbeitsbereiche, in die man sich wie in textile Mini-Shelters zurückziehen kann. Connectivity und Design: Das sind die Themen. Ich denke, das Design macht schon 90 Prozent eines Coworking-Spaces aus. Bürodrehstühle in Glasboxen zu stellen, ist auf lange Sicht nicht so spannend.

→ aisslinger.de

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