Destination: Museum

Es ist ein Gerücht, dass Museen nur etwas für regnerische Tage sind. Gerade bei Sonnenschein und warmen Temperaturen lohnt sich ein Ausflug in die nordrhein-westfälische Kulturlandschaft – vielleicht auf dem Fahrrad? Wir stellen die zehn interessantesten Kunstziele für den Sommer vor.

Wuppertal

Skulpturenpark Waldfrieden
In Tony Craggs SkulpturenRational Beings“ entdeckt man mit jedem Blick neue Figuren: Der Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal allein ist schon beeindruckend. Sehenswert aber sind auch die wechselnden Ausstellungen. In diesem Jahr folgt auf Christiane Löhr (3. März bis 1. Juli) eine Schau von Markus Lüpertz (28. April bis 12. August), daran an schließt Eva Hild (25. August bis 27. Januar 2019). Und selbst wenn man zwischen den Ausstellungen kommt: Die organische Architektur der Villa Waldfrieden, Wald und Garten sind immer einen Ausflug wert.

 

Neuss

Langen Foundation und Museum Insel Hombroich
Die von der Sammlerin Marianne Langen initiierte Langen Foundation ist mit ihrer minimalistischen Architektur von Tadao Ando eine Sehenswürdigkeit für sich. Für das Gelände entwickelte Sammler Karl-Heinrich Müller ab 1994 ein visionäres Projekt, das Kunst und Natur zu einer einmaligen Symbiose zusammenbringt: „Kunst parallel zur Natur“, so das Leitmotiv. Am meisten lohnt sich ein Besuch zur Kirschblüte, wenn sich die rosafarbenen Knospen im flachen Wasser der ehemaligen NATO-Basis spiegeln. Nebenan lädt das weitläufige Gelände des Museum Insel Hombroich zum kulturellen Flanieren.

 

Duisburg

MMK Museum Küppersmühle
Das Architekturbüro Herzog & de Meuron verwandelte den ehemaligen Getreidespeicher im Innenhafen Duisburgs in ein modernes Museum. Mit der Sammlung Streuer befindet sich im Bau eine der bedeutendsten Sammlungen deutscher Kunst nach 1945. Derzeit wird der Speicher von den Schweizer Architekten um 2500 Quadratmeter erweitert – die Bauarbeiten sollen 2019 abgeschlossen werden. Dennoch gibt es ab 8. Juni eine Ausstellung zum Werk von Jannis Kounellis, dem Pionier der Arte Povera, einer Kunstbewegung der späten 1960er- und 70er-Jahre. Auch ein Besuch im Restaurant Küppersmühle sei dringend empfohlen: Es verspricht regionale Zutaten in internationalem Gewand.

 

Essen

Museum Folkwang
Sammlungen der Malerei und Skulptur des 19. Jahrhunderts, der klassischen Moderne, der Kunst nach 1945 und der Fotografie: Das Museum Folkwang gilt als Hochkaräter der deutschen Szene. 2010 wurde der von David Chipperfield Architects entworfene Neubau eingeweiht. Für 2018 sind Ausstellungen zu Hans Josephsohn, Luigi Ghirri, Hermann Kätelhön, Roland Topor und der Italienischen Malerei der 1920er-Jahre geplant. Wer schon einmal in Essen ist, sollte unbedingt auch die Villa Hügel und das Ruhr Museum mit der Zeche Zollverein besuchen – Fragmente deutscher Industriegeschichte.

 

Köln

Museum Ludwig
Ein Klassiker: An der Domplatte in Köln gelegen, beherbergt das Museum Ludwig neben der umfangreichsten Pop-Art-Sammlung Europas auch eine der größten Picasso-Sammlungen der Welt. In diesem Jahr sind Ausstellungen wie „Black Power – Flower Power“ mit Fotografien des Fotografenehepaars Pirkle Jones und Ruth-Marion Baruch aus dem San Francisco der 60er-Jahre oder „Doing the Document. Fotografien von Diane Arbus bis Piet Zwart“ geplant, ebenso wie eine Ausstellung zum Filmdokument „Filmemigration aus Nazideutschland (1975)“ von Günter Peter Straschek. Anschließend lohnt sich ein Spaziergang am Rhein entlang bis zum Skulpturenpark Köln, der in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum feiert. Dort begegnet man Werken von Anish Kapoor, Jenny Holzer oder Rosemarie Trockel.

 

Mönchengladbach

Museum Abteiberg
Eigentlich ein Außenseiter unter den nordrhein-westfälischen Museen, wurde das Museum Abteiberg in Mönchengladbach 2016 von der deutschen Sektion des internationalen Kunstkritikerverbandes AICA trotzdem zum Museum des Jahres gewählt. Zwischen 1977 und 1982 erbaut, hatte die Institution wegen ihres bescheidenen Budgets keine Möglichkeiten, Kunstwerke der klassischen Moderne zu kaufen. Ein Glück: Der Schwerpunkt wird so verstärkt auf aktuelle Tendenzen gelegt. Joseph Beuys hatte seine erste Museumsausstellung in Mönchengladbach. Strömungen wie Zero, Nouveau Réalisme und Pop-Art wurden unmittelbar zur Zeit ihres Entstehens gezeigt, Werke angekauft: Richard Serra, Andy Warhol, Sigmar Polke, Gerhard Richter und Martin Kippenberger sind Vertreter der Sammlung. Zusätzlich wurde 2002 der Skulpturengarten Abteiberg in den Garten der Abtei integriert.

 

Kerpen

Haus Mödrath
Die Kunst allein soll im Zentrum dieses Ausstellungshauses stehen: Der Mäzen und Sammler hinter dem Umbau des Hauses Mödrath, ein Kölner Unternehmer, bleibt anonym. Die einstige Burg Mödrath soll nun Künstlern und Kuratoren die Möglichkeit verschaffen, „realisieren [zu] können, was ihnen wichtig ist“, so schreibt er. Noch bis November 2018 ist die Ausstellung „Aftermieter“ zu sehen, die von Veit Loers kuratiert wurde und Werke von Ed Atkins, Alicja Kwade und Ali Altin zeigt. Das Haus blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück, war Herrenhaus, Geburtsklinik, NS-Schulungshaus, Kinderheim. Und um den Garten rankt sich ein Mysterium: Möglicherweise wurde er vom deutschen Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné entworfen, der auch für die Gartenanlagen des Schloss Sanssouci in Potsdam und den Tiergarten in Berlin verantwortlich ist.

 

Düsseldorf

Kunst in Düsseldorf
Natürlich: Düsseldorf mit seiner weltbekannten Kunstakademie ist ein Ballungszentrum für zeitgenössische Kunst. In der Julia Stoschek Collection etwa findet sich herausragende Videokunst. Die KAI 10 Arthena Foundation im Medienhafen mit seinen Gehry-Bauten beherbergt zeitgenössische Positionen. Das KIT – Kunst im Tunnel liegt unterhalb der Rheinuferpromenade in den Tunnelröhren der Verkehrsunterführung. Auch die Sammlung Philara ist sehenswert, verpassen sollten Gäste auf keinen Fall die Bar und die Terrasse – beides selbst schon halbe Kunstwerke. Natürlich dürfen auch das NRW-Forum, die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen mit ihren Standorten K20 und K21 sowie das Museum Kunstpalast nicht fehlen – für die Düsseldorfer Kunstinstitutionen sollte also ein bisschen Zeit eingeplant werden.

 

Bedburg-Hau

Schloss Moyland
Vier Zinnen, ein hoher Aussichtsturm, ein Schlossgraben und ein Park mit vielen schönen Blumenbeeten: Das Schloss Moyland zeigt sich im klassischen Märchen-Layout. Voltaire und Winston Churchill waren schon hier. Ihrer wird in Form von zwei Tierfiguren gedacht, die den Eingang säumen: ein Wolf und ein Mops. Das Schloss beherbergt heute die Kunstsammlung der Brüder Hans und Franz Joseph van der Grinten. Fans vom Kunstrebellen und Aktivisten Joseph Beuys kommen hier besonders auf ihre Kosten: Mit rund 5000 Werken der weltweit größte Bestand.

 

Bonn

Bundeskunsthalle Bonn
Die Bundeskunsthalle in Bonn zeigt ab dem 20. April eine große europäische Retrospektive der wohl meist diskutierten internationalen Künstlerin, Marina Abramović. Ihre bahnbrechenden Performances loten die Grenzen des Machbaren aus – psychisch wie physisch. Immer wieder bringt das Ausstellungshaus internationale Größen in die ehemalige deutsche Hauptstadt. Die drei markanten, elegant zugespitzten Lichtkegel auf dem Dach bilden das Wahrzeichen des Hauses, das vergangenes Jahr sein 25-jähriges Bestehen feierte.

 

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Wann, wenn nicht jetzt?

Seit 19 Jahren betreiben die Berliner Elektropunks von Egotronic musikalischen Hedonismus, der zunehmend auch als politischer Aufschrei verstanden werden kann. Ihr neues Album “Ihr seid doch auch nicht besser” ist ein Höhepunkt dieser Entwicklung. Über die wegbrechende politische Mitte und die Notwendigkeit, neue Bündnisse einzugehen.

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Hamburg’s Got Groove

Die kultige Hamburger Elbphilharmonie ist für ihre irre Akustik ebenso bekannt wie für ihr Programm, das traditionelle klassische Musik mit der Musik von Rockbands, Festivals und Jazz - wie z. B. die skandinavische Pianoband Rymden - miteinander verwebt. Anlässlich des Konzertes dieser Band trafen wir das Jazztrio in der „Elphi“, wo wir tief in die Geschichte der Konzerthalle eintauchten und - neben anderen Fragen - überlegten, ob Jazz die klassische Musik des 21. Jahrhunderts ist.

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Der Schweizer Tausendsassa

Dieter Meier ist jemand, den man ohne Übertreibung als musikalische Legende bezeichnen kann. Mit der Band Yello wurde der Schweizer gemeinsam mit seinem Kollegen Boris Blank in den 80ern weltbekannt. Der Sound ihrer Hits wie „Oh Yeah“ und „The Race“? Neu und experimentell, elektronisch, ein wenig gaga und dank Dieters tiefer Stimme unter die Haut gehend. Bis heute treten Yello auf. Die Musik ist dabei längst nicht Dieters einziger Ausdruck: Der Nobelmann und vermutlich best angezogene Rebell Zürichs, der sich seine Zeit eine Weile sogar als Berufspokerspieler verdingte, begann ab den späten 60ern, als Performance- und Konzeptkünstler zu arbeiten. 1972 nahm er an der Documenta 5 in Kassel teil. Auch als kreativer Unternehmer und Investor hat Dieter seine Finger überall mit im Spiel. Seine große Leidenschaft ist aber die Welt der Kulinarik und Natur und insofern seine Farm in Argentinien, wo er unter anderem Wein anbaut, Rinder züchtet und viel Zeit verbringt. Produkte aus seiner zweiten Heimat tischt er in seinen Restaurants auf — natürlich ist der Tausendsassa auch Gastronom. Gerade hat er außerdem eine Schokoladenmanufaktur hochgezogen. Irgendwo zwischen seinen vielen Projekten hat sich Dieter einen Moment Zeit genommen, COMPANION’s Questionnaire zu beantworten.

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Schaffung eines Kultlabels

Alles begann mit einem bescheidenen Musiklabel und ein paar Jeans. Seit seinen Anfängen im Jahr 2002, hat sich der „Purveyor of cool” zu einer kultigen Modemarke und einem Kult-Music-Label mit Coffee-Shops in Paris und Tokio gemausert. Wie war eine solche Entwicklung möglich? Mitbegründer Gildas Loaëc ließ COMPANION wissen, wie er eklektische und klassische Elemente ausfindig macht, um in diesen schnelllebigen Branchen die nötige Frische zu bewahren.

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Generating a Genre

Natascha Augustin, Senior Creative Director bei Warner Chappell, ist jene Branchenführerin mit kühlem Kopf, die Deutschlands heißeste Hip-Hop- und Rap-Acts an die Spitze der internationalen Aufmerksamkeit katapultiert – auch wenn ihre Demut sie davon abhält, überhaupt Anerkennung dafür einzufordern. Als eine Pionierin des Deutschrap seit seiner Geburtsstunde hat sie durch ihr Talent, den ständig wechselhaften Geschmack in der Popmusik zu navigieren, nicht nur Warner Chappell sondern der gesamten Industrie zu einem festen Stand verholfen. Natascha hat sich einen Moment Zeit von ihrem Nonstop-Kalender genommen, um COMPANION zu erzählen, wie sie neue Talente entdeckt, was ihr an der neuen Welle deutscher Rapperinnen gefällt und wie ihr Ausblick auf die Zukunft des Genres ist

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Balladen eines Bad Boys

Es ist schwer zu glauben, dass Julian Polin – besser bekannt als Faber – erst 26 Jahre alt ist. So knirschend wie die Stimme und die Lyrics des schweizerischen Singer-Songwriters sind, müsste man eigentlich annehmen, dass er mindestens zwei Dekaden mehr hinter sich hat. Sein Debütalbum „Sei ein Faber im Wind“ aus 207, gesungen auf Deutsch, lässt wirklich kein Thema aus. Die Tracks paaren schlüpfrige Wortspiele mit treibenden Melodien, erinnern an das heisere Knurren eines Jacques Brel oder das Murmeln der Volksmusik vom Balkan – ein neues Genre melancholischer Dance Music, das die weltmüden Herzen seiner Generation fest im Griff hat. Vor der Veröffentlichung seines zweiten Albums gegen Ende des Jahres hat sich Faber aus dem Studio herausbemüht, um mit COMPANION über die verschwommenen Grenzen zwischen Fakt und Fiktion, die Langeweile in der Stadt Zürich und warum er sich nicht mit Kanye verstehen würde zu sprechen.


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